Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Der alte Friedhof
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 720 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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120 MENORAH Mar Salomos und seiner Gattin vor R. Gersom und R. Simon Hagadol zeigt, daß sie vor diesen beiden Großen des 11. Jahrhunderts lebten. Denn mitten unter den Thoragrößen, nach den Tossaphisten R. Jakob und R. Samuel und vor R. Meir von Rothenburg, werden andere Stüdlanim, das Ehepaar Mar Jizchak und Marat Bela, genannt, die den Zoll in Koblenz aufhoben. Mit der Nennung des Mar Salomo und seiner Gattin Rahel vor den genannten weltberühmten Autoritäten des 11. Jahrhunderts ist also gesagt, daß dieselben in eine frühere Zeit zu versetzen sind, in die Zeit wohl des 7. Jahrhunderts, als mit dem wiedererbauten Mainz dort auch eine jüdische Gemeinde neu erstand. Wären die Steine des uralten Friedhofs auf ihrer Stelle geblieben und dort heute, noch sichtbar, so könnten wir von denselben eine der glänzendsten Epochen des Thorastudiums in Deutschland und der Blüte religiöser Dichtkunst mit den Namen der führenden Meister und Paitanim ablesen. Leider haben die Stürme der Zeit, die Auswirkungen des Judenhasses und auch der Sandboden und die den Einflüssen der Witterung ausgesetzte Lage, am Abhang einer Höhe, die auf dem Friedhof befindlichen Steine aus der alten Zeit nach und nach verschwinden lassen. Einer besonderen Fügung ist es zu verdanken, daß wir die Grabstätte eines ganz Großen aus dem Geschlechte vor Raschi noch genau kennen. Dr. M. Lehmann berichtet an verschiedenen Stellen, so im dritten Jahrgang des Israelit" und am Ende seiner bekannten Er- Zählung „Rabbi Elchanan", daß man den Ersatzsfein, den die Begräbnisbrüderschai't Ghewra Kadischa an Stelle des alten zerfallenen Grabsteins auf dem Grabe des hochberühmten synagogalen Dichters R. Simon b. Jizchak, genannt R. Simon der Große, im Jahre 1762 errichtete, wieder aufgefunden habe. Dieser Stein galt nach dem Tode Dr. Lehmanns Jahrzehnte hindurch wieder als unauffindbar und verschollen. Vor ungefähr Jahresfrist, als ich mit einigen Verwandten das Grab R. Samuel Bondis, unseres Großvaters, besuchte, hatten wir das Glück, den in der Nähe befindlichen genannten Stein, und damit die Grabstätte Rabbi Simon Hagadols, wieder zu finden. Auf diesem Ersatzstein ist die Inschrift nicht, wie fast auf allen Mainzer jüdischen Grabsteinen aus alter und neuerer Zeit, konkav, sondern konvex, in ragender Schrift. Wohl ein herabfallender Baumast hatte aus der Mitte mehrerer Reihen der Inschrift einige Buchstaben herausgeschlagen und war dadurch das Epitaph schwer erkenntlich geworden. Dazu kam, daß das wertvolle Grabdenkmal einen großen Teil des Jahres hindurch durch Schlingpflanzen unzugänglich gemacht und versteckt ist. Der Wortlaut der Inschrift ist: