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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 716

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Sonderheft Magenza
Date
1927-12-01
Page
Seite 716 (sequence 12)
Language
German
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716 MENORAH daß er für diese Ämter keinerlei Bezahlung nahm, kurz vor seinem Tode diese Gemeinde verließ und nach Worms zog. Zwar haben wir außer den oben angedeuteten nahen Beziehungen zwischen Worms und Mainz auch sonst Anhaltspunkte dafür, daß die rabbinischen Funktionen von der einen dieser Gemeinden auf die andere übergriffen; aber ausschlaggebend für seinen Entschluß, den Rabbinersitz in Mainz zu verlassen, dürfte neben dem schweren Schicksalsschlag, der ihn durch den Tod seiner zweiten Frau traf, die unerträglich gewordene allgemeine Lage in Mainz, wie sie sich uns um 1425 darstellt, geworden sein.10) In der Zeit des Erzbischof-Kurfürsten Konrad III. (1419 bis 1434), dessen Bildnis wir hier in einem Siegelabzug bringen, hatten die blutigen Bürgerkämpfe das früher ,,Goldene Mainz" derart verarmen lassen und entvölkert und das Leben der Bewohner derart gefährdet, daß selbst alte Adelshäuser, die sich auf Rechte und Schutzmittel stützen konnten, flüchteten. Gerade diese Zeit, die der Gutenberg'schen Erfindung in Mainz voranging und folgte, gehörte zu den unsichersten der gesamten Mainzer Geschichte. Wenn Maharil ein religionsgesetzliches Gutachten (in der Sammlung der Gutachten, Nr. 37), das er an seinen lieben Neffen Jakob Gelnhausen richtet, mit den Worten beginnt, die ich in deutscher Übertragung folgendermaßen fassen möchte: „Sieh', ich sprech', wie ich's versteh', mein Urteil aus, Hab ich auch Brot und Kleid nicht mal im Haus; Müd' bin ich vom Kummer, Tränen sind mein Brot, Ich rufe zu dem Felsen meines Heils in meiner Not." so dürfen wir wohl annehmen, daß dieser gutachtliche Brief um jene Zeit geschrieben war und mit als Motiv dafür zu bewerten ist, daß Maharil Mainz verließ. Die Übersiedlung von Mainz nach Worms ist, wie ich hier auch nicht ausführlich darlegen kann, dem alten Lehrer nicht leicht geworden. Daß er seinem Wunsche gemäß, gegen die sonst übliche Gepflogenheit, sich im Grabe von Süden nach Norden betten ließ,20) darf vielleicht auch als ein stillschweigender Ausdruck dafür gelten, daß er im Tode noch sich nach der Gemeinde, wo er sein Lebenswerk geschaffen hatte, wendete. Am Sabbat vor Pessach 1427 hielt er in Worm seine letzte Predigt, deren Grundgedanken uns in den Aufzeichnungen seines Schülers Salman erhalten geblieben sind. Todeserwägungen klingen in dieser Predigt mit und ehe dieses Jahr zu Ende ging, starb dieser große Meister an einem Sabbatausgang und w7urde am nächsten Tage, am Sonntag, den 22. Elul 5187 in Worms begraben.

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