Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Sonderheft Magenza
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 713 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ZUR EINFÜHRUNG Salzburg hin und her, wobei sich Maharil auf die Kenntnis der gesamten, vor seiner Zeit entstandenen religionsgesetzlichen Literatur stützte. Hätte Maharil die Möglichkeit gehabt, seine Gutachtensainmlung wie auch seine sonstigen religiösen Lehrentscheidungen mit eigener Hand abzuschließen, so wäre vielleicht das Bild seines Schaffens noch klarer geworden. Leider ist die uns erhaltene Sammlung nur unvollständig, und das, was nach dem üblichen Urteil die besondere Bedeutung Maharil's ausmacht, nämlich seine Vertretung religiöser Bräuche, der „Minhagim", ist uns nur durch eine Zusammenstellung seines Schüler Salman17) belegt, so daß auch hier Aufzeichnungen, die von Maharil's Hand selber stammten, fehlen. Es scheint nun, daß gerade die Schätzung der Minhagini, wie wir sie bei Maharil finden, einen Historiker wie Grätz veranlaßt hat, die Tätigkeit Maharil's und seines Zeitgenossen Eisak Tyrnau als einen „unfruchtbaren Schlendrian" und „geistlose Aufzeichnungen" (VIII. Seite 12) zu bezeichnen. Diesem Urteile Grätz' steht allerdings die Äußerung eines David Kaufmann gegenüber, dem Maharil „der Meister des jüdischen Ritus und synagogalen Wesens in Deutschland" ist; und in Winter und Wünsche (Die jüdische Literatur, Band II, Seite 498, wo allerdings fälschlich der Vatersname mit Me'ir, statt Mose, bezeichnet ist) wird ihm „innige Frömmigkeit, talmudische Gelehrsamkeit, die ihn zum Vorbild und religiösen Führer seiner Zeit machten", nachgerühmt. Güdemann sagt bei der Schilderung jener Zeit: ,,An der Spitze dieses Zeitalters, sowohl der Zeit als der richtunggebenden Bedeutung nach, steht R. Jakob b. Moses Halcvi . . .". Nun hatte allerdings die Festlegung auf die Minhagim die Gefahr der Erstarrung des religiösen Lebens in sich,ls) und zweifellos erblickte Maharil im Minhag eine außerordentliche Verpflichtung und starke Bindung für das religiöse Leben. Aber noch keine der bisher geschriebenen Lebensbetrachtungen des Maharil hat die Berechtigung, ja die Notwendigkeit dieser Auffassung dargelegt, indem man den Versuch gemacht hätte, MahariFs Lebensarbeit aus der Zeitlage und Zeitgeschichte der deutschen Juden heraus zu erfassen. Man denke doch daran, daß seit der Zeit des schwarzen Todes, also seit 1349, die alten Gemeinden fast völlig verschwunden waren. Was noch lebte, flüchtete geängstigt von Ort zu Ort. Und im Anschluß an diese Zeit der Verfolgung ist auch jene Judennot der HussUenzeit, die über Erez damim, das „Land der Blutopfer", wie man Österreich deshalb nannte, gekommen. Jeder Zusammenhang in der Horizontale und Vertikale des Lebens war verloren. Wo Neuansiedlungen möglich waren, herrschte „Gründer"gesinnung, während nur Anfängerbescheidenheit