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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 675

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
Date
1927-11-01
Page
Seite 675 (sequence 7)
Language
German
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DIE JÜDISCH E K O L O NISATION 675 autonome Republik wird durch die nationale Abteilung der Partei laut den Anweisungen von oben verwaltet. Die Autonomie drückt sich hauptsächlich in der Anerkennung der Sprache der betreffenden Völkerschaft als einer Verwaltungssprache aus. Aber auch in diesem spezifischen Sinn ist eine jüdische Republik unmöglich, denn dazu braucht man doch ein leidlich geschlossenes Gebiet, in dem Hunderttausende jüdische Einwohner da sind. Dazu kann es im Europäischen Rußland nicht kommen, denn es ist ein schon längst besiedeltes Land. Die fünf Mittelpunkte der jüdischen Kolonisation in Südrußland sind nicht vollkommen in sich geschlossen und sind voneinander hundert und mehr Kilometer entfernt. Die großartige Agitation, die von der jüdischen Sektion der kommunistischen Partei im In- und Auslande entfacht wird, und in der von Millionen Deßjatinen, Hunderttausenden anzusiedelnden Familien und einer großartigen jüdischen Republik gesprochen wird, hat eigentlich mit den Interessen der Sache nichts zu tun; sie verfolgt gewisse für die kommunistische Bewegung wichtige politische Ziele. Man muß aber bedauern, daß diese Übertreibungen auch von gewissen nichtkommunistischen Freunden der Kolonisation unterstützt werden, denn sie sind keineswegs harmlos. Die jährliche Kolonisierung von einigen Tausenden jüdischen Familien ist nach dem großen russischen Maßstab eine recht bescheidene Unternehmung. Sie kann bei den Bauern der Steppengebiete keine feindlichen Gefühle erwecken, denn diese haben ausreichende Bodenanteile zugeteilt erhalten und auf die noch freiliegenden Grundstücke können sie sowieso keine Ansprüche erheben. Bei den Kolonisationsarbeiten haben sie viele Verdienstmöglichkeiten und die Nachbarn der jüdischen Siedler werden gewöhnlich mehr oder weniger in agrikulturtechnischer Hinsicht von Agro-Joint bedient. Deswegen stehen die neuen Siedler gewöhnlich in guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu der umgebenden Bevölkerung. Auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt ist die jüdische Kolonisation eine wertvolle Erscheinung. Die russische Landwirtschaft ist unter der Revolution stark degradiert. Durch die jüdische Kolonisation werden neue technische Methoden demonstriert und propagiert. Schon in den wenigen verflossenen Jahren ist auf diesem Gebiete viel Wertvolles für die ukrainische Landwirtschaft erreicht worden. Also vermag die jüdische Kolonisation als solche keine Bedenken vom Standpunkte der russischen Volkswirtschaft wie auch der russischen Bauern zu erwecken.

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