Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 673 (sequence 5)
- Language
- German
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D IE .T Ü I) I S C II E KOLONIS A T I O N 673 Eine jüdische Ü berwandererfamilie in der Steppe vor ihrer provisorischen Behausung (Erdhütten) Es wäre auch recht unzweckmäßig, die im Vergleich mit den brennenden Bedürfnissen der jüdischen Massen von Osteuropa recht bescheidenen Summen der jüdischen wohltätigen Sammlungen ausschließlich der Kolonisation zuzuwenden. Es gibt auch andere, und man muß es zugeben, billigere Methoden, die Not der jüdischen Massen in Rußland und in den Grenzländern zu lindern; die Interessen der Millionen, die ihre Wohnorte nicht verlassen können, sollen doch nicht außer acht gelassen werden. In den Jahren 1925/26 hat man, wie es geplant war, mit der Einrichtung von 10.500 Familien angefangen. Man soll sich nicht vorstellen, daß man mit ihnen zum Ende des Jahres 1926 schon fertig war. Zwei Drittel aller Überwanderer hatten noch zum Ende dieses Jahres keine Häuser, ihr Inventar war noch sehr dürftig. Man wird in diese Wirtschaften noch bedeutende Summen hineinstecken müssen, bis man sie als lebensfähig ihren eigenen Kräften überlassen können wird. Deswegen ist es höchst zweifelhaft, ob die Kolonisation in demselben schnellen Tempo weiter fortschreiten wird. Wäre sogar solch ein Tempo der Kolonisation möglich, d. h. die Ansiedhmg von 5000 Familien oder 25.000 Seelen jährlich, so hätle sie doch nicht die Not der jüdischen Massen gelindert, denn sie hätte den natürlichen Zuwachs dieser Bevölkerung nicht aufgenommen1). Die J) Die jüdische Bevölkerung von Rußland erreicht 2 7 Millionen Seelen; als ihre normale Vennehrungsquote nehme ich ll 3 Prozent an, was einen Zuwachs von 40.01)0 Seelen ausmacht. Gegenwältig scheint jedoch diese Quote wegen der sehr gedrückten Lage der jüdischen Bevölkerung niedriger zu sein.