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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 672

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
Date
1927-11-01
Page
Seite 672 (sequence 4)
Language
German
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672 ME NO RAH der jüdischen Landwirtschaft geschaffen. Es ist sogar gelungen, einen dieser Mittelpunkte im Kreise Gherson zu einem jüdischen administrativen Rayon zusammenschließen, in dem die Juden ungefähr 85 Prozent der allgemeinen Bevölkerung ausmachen. Diese verhältnismäßige Konzentration der jüdischen Siedlungen erleichtert die Kolonisalionsarheit und erhöht ihren nationalen Wert. Wenn wir aber die Frage stellen, ob man die gegenwärtige Kolonisation als das Mittel zur Linderung der großen Not der jüdischen Bevölkerung betrachten kann, wie es die jüdischen Kommunisten versichern und wie es viele jüdische gesellschaftliche Kreise glauben, so müssen wir diese Frage ganz entschieden verneinen. Auch diese billigste und erfolgreichste jüdische Kolonisation ist ein viel zu kostspieliges und kompliziertes Unternehmen, daß sie Bedeutendes zur Linderung der Not der jüdischen Bevölkerung beitragen könnle. Um eine lebensfähige Wirtschaft in den Steppen selbst auf einem unentgeltlich erlangten Boden zu schaffen, muß man nicht weniger als 2000 Rubel investieren. Solche Wirtschaften, die nicht ausreichend mit Bauten, Vieh, Inventar und Pflanzungen ausgestattet sind, werden bei dem unbeständigen Steppenklima nicht widerstandsfähig sein. Das Kennzeichnende für dieses Gebiet ist die Knappheit und Unbeständigkeit der Niederschläge. Dürren kommen hier sehr oft vor, und zwar in den Steppen der so vielgepriesenen Krim noch viel öfter als in der Ukraine. Nur sehr sorgfältig bearbeitete Felder bringen auch in den Dürr jähren eine gewisse Ernte; auf den schlecht bearbeiteten Feldern verbrennen die Saaten in solchen Jahren gänzlich. Nur kapitalkräftige Wirtschaften sind imstande, die sehr schweren Steppenböden gut zu barbeiten, und darum darf man hier nur solche Wirtschaften schaffen. Von der oben erwähnten Summe, 2000 Rubel, müssen 1000 bis 1500 Rubel pro Familie von ausländischen Hilfsorganisationen aufgebracht werden. Es ist also damit zu rechnen, daß die Ansiedlung von 1000 Familien, die Organisationskosten einbezogen, ungefähr eineinhalb Millionen Rubel erfordern muß. Selbstverständlich muß die Kolonisation womöglich geschäftsmäßig geführt werden. Die Ansiedler müssen sich verpflichten, die erhaltenen Darlehen zurückzuerstatten. Und es ist zu hoffen, daß in Zukunft der größte Teil der Darlehen einmal zurückgezahlt werden wird. Und doch ist die jüdische Kolonisation keineswegs als eine Geschäftsunternehmung zu betrachten; große Verluste sind hier unausbleiblich. Die Kolonisation wird mit Hilfe von Wohltätigkeitssummen geführt; anders kann sie auch nicht geführt werden. Dies aber steckt ihr gewisse nicht zu weite Grenzen.

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