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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 661

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
David Royfe
Date
1927-11-01
Page
Seite 661 (sequence 13)
Language
German
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DAVID ROYFE 661 Dreien, wir standen einige Stunden auf der Landstraße und erst als die Leute sich verlaufen hatten, durften wir weggehen. Leider wußte ich: der junge Bischof, der die Stelle einnehmen wird, ist den Juden nicht gewogen und Leid wird anbrechen. Der Frühling kam, mit ihm ein großes Leid; mein Weib kränkelte, oft blieb ihr Atem aus, es schwindelte ihr, selbst wenn sie auf dem Hofe ging, fürchtete sie niederzufallen. Ich wußte als Arzt, daß nur der Allgewaltige helfen könnte, schrieb aber meinem Schwiegersohne, der doch ein Mächtiger unter uns Ärzten war. Durch Michael, dem ich zehn Silberlinge gab, ließ ich die Nachricht an die Kinder gelangen und Michael versicherte nach seiner Rückkehr, die Kinder würden zum Besuche innerhalb Wochenfrist ankommen. Sie kamen wirklich, ich hatte mein Weib langsam vorbereitet. Unsere Tochter war stark geworden und ging städtisch gekleidet, mein Schwiegersohn war gelehrt und gütig. Was er mir als Arzt zu sagen hatte, wußte ich bereits, er machte mich auf die kleinen geringelten Adern an den Schläfen unserer Mutter aufmerksam. Sämtliche Bewohner des Dorfes kamen, die Kinder zu begrüßen. Mein Schwiegersohn versprach mir, durch einen Boten ein Heilmittel zu senden, welches bei Schwindelanfällen Beruhigung eintreten läßt. Des nächsten Tages am frühesten Morgen reisten die Kinder ab; wir wußten alle: es war ein Abschied fürs Leben. Meine Tochter umfaßte die Knie ihrer Mutter und konnte sich nicht losreißen, ich wurde schwach und weinte, doch verbarg ich es und ging hinaus. Mein Schwiegersohn sandte mir das Mittel, welches aus Meerespflanzen besteht; der Bote blieb einen Tag bei uns, wir gaben ihm einen Brief an die Kinder mit. Hilfe brachte das neue Mittel meinem Weibe nicht, die Anfälle wiederholten sich und an dem Tage, da der Sommer beginnt, hatte sie ausgelitten. Und am Abend sandte ich Perka in alle Häuser des Dorfes, um den Todesfall zu melden. Ich ging auf den Hof und erzählte den Maultieren, den Ziegen, dem Geflügel und den Bienen, so wie es Sitte war, von dem Todesfall. Alles Wasser im Hause schüttete ich aus und setzte alle Töpfe, die im Hause waren, mit Wasser gefüllt, ans Feuer. Als Perka aus dem Dorfe zurückkam, ging sie in das Zimmer der Toten, warf sich auf den Fußboden nieder und schrie: „Verzeih', o gute Mutter, ich war ungehorsam, ich habe dich gekränkt, ich war deiner Wohltaten unwürdig, vergib und bitte für mich" Indessen kamen aber die alten würdigen Frauen und wollten den Leichnam waschen. Als sie Perka im Zimmer sahen, wurden sie böse

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