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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 660

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
David Royfe
Date
1927-11-01
Page
Seite 660 (sequence 12)
Language
German
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660 MENORAH frische Wäsche an und als es im Dorfe still geworden, eilte er zu meinem Hause. Ich hatte alles vorbereitet, Essen für drei Tage, einen Silberbecher, darauf der große Prophet Jona mit dem Walfisch zu sehen war (es war mein Hochzeitsgeschenk gewesen), die täglichen Gebete auf Pergament, die Wolldecke, welche mir Rachel gegeben und ich gab ihm noch Wäsche. Den Weg erklärte ich Simon genau, prägte ihm ein, wann er zu dem großen Weidenbaume, zu dem kleinen Wäldchen und dem Grenzpfahl kommen müsse. Ich gab alle Gegenstände in einen Korb mit zwei Lederriemen, der sich leicht auf dem Rücken tragen ließ. Zu oberst aber stellte ich einen Holzkäfig und nahm zwei Tauben aus einem Schlag, von brauner Farbe. Hirse gab ich in den Käfig und einen kleinen Napf für Wasser. Ich sagte: „Höre, Simon, wenn du ankommst auf dem Berge und du gefällst Rachel, so sollst du sie heiraten, mit der alten Formel und vor Zeugen. Kannst du aber nicht bei ihr bleiben, so ziehe sofort in die große Stadt weiter. Wenn du aber Gnade in den Augen von Rachel gefunden hast, so lasse die beiden Tauben aus, sie werden ihren Schlag schon finden; ihre Schnäbel beschmiere vorher mit etwas Blut." Und ich sagte Simon noch vieles andere und Nützliche. Es war, wie man nach den Sternen sehen konnte, fast Mitternacht, als ich ihn segnete. Er küßte mir die Füße und konnte nur eines sagen: „Gott möge es dir lohnen, guter Vater." Vier Tage nachher stieg ich im Hofe auf den Taubenschlag, da fand ich beide Tauben, mit roten Schnäbeln; die eine war etwas zerzaust, ein Falke mochte sie wohl angefallen haben. Ich gab den beiden Tauben Gerste in Milch aufgequellt und sie nickten mit den Köpfen, wie wenn sie mir von dem Glück im Hause am Berge berichten wollten. Als wir am Sabbat Vormittag in der Schule beteten, da sprach ich: „Deine Wege sind wunderbar, Du führest den Menschen bis zur Vernichtung und doch wird der Erdensohn gerettet." Und ich sagte darüber vieles der Gemeinde, von den Wundern, die geschehen, täglich, ohne daß der Mensch sie begreift. Der Vorsteher verstand mich, sonst niemand in der Gemeinde. Und der Winter war hart, die Wölfe kamen von den Wäldern und griffen Menschen und Vieh an. Der Richter aus dem oberen Dorfe ließ sagen, der Erzbischof sei gestorben. Wie es die Sitte vorschrieb, gingen die drei Ältesten unserer Gemeinde, als der Trauerdienst in der Kirche abgehalten wurde, um vor der Kirche zu stehen. Ich war unter den

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