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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 658

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
David Royfe
Date
1927-11-01
Page
Seite 658 (sequence 10)
Language
German
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658 MENORAH sich und meinten, ich wäre verzaubert. Fortwährend dachte ich nach und konnte keinen Schlaf finden, die Verantwortung für die Gemeinde war zu groß. Mein Weib fragte mich um nichts, ich erzählte ihr kein Wort, doch sie litt mit mir. jCjs mochte ein Monat vergangen sein, da traf ich Michael den Boten. Er fragte mich, ob ich krank sei, und sagte: ,,Höret, Royfe, ich werde Euch etwas erzählen, Ihr werdet staunen." Und er zeigte mir dort, wo die Sonne untergeht, Berge und Wälder und erzählte: ,,Auf dem Gipfel des Berges sind Häuser aus Holz und es wohnen Juden dort, die vom Holzfällen und vom Handel leben. Eine Frau ist dort, eine junge Witwe, deren Mann wurde von den Holzfällern im Streite erschlagen. Das Kind ist nach vielen Monaten noch nicht in den Bund unseres Volkes aufgenommen. Es geht zu wie bei den Heiden, die Witwe weiß nicht zu beten, ihre beiden Schwestern, jünger als sie, sind in den Wäldern aufgewachsen und es ist schade — dieser große Besitz wird in die Hände der in der Nähe wohnenden Bauernsöhne gelangen, da doch Juden sich nicht, von der Welt ganz abgeschnitten, in Holzhütten auf Bergen niederlassen." Als ich nach Hause ging, ließ mir diese Erzählung keine Ruhe. Die Berge und Wälder waren nicht mehr des Erzbischofs Besitz und der Arm des Gerichtes reichte nicht bis dorthin. Im Hause angekommen war mein Plan schon fertig. Ich sagte Garsche, nach so langer Zeit möchte ich Kinder und Enkel sehen; und, obwohl mir mein Weib und Garsche abredeten, traf ich Vorbereitungen für eine lange Reise. Ich nahm Heu für vier Tage mit, alles Gerstenbrot, das im Hause war, und Käse, auch etwas gekochtes Fleisch. Stricke für den Wagen und Kienspäne für die Nacht, wenn ich tagsüber nicht fahren könnte. Bevor ich wegfuhr, küßte ich den Pfosten meines Hauses und bat um Hilfe beim Allgerechten. Den ersten Tag nach dem Sabbat fuhr ich zeitlich früh vom Hause weg, am dritten Tag um dieselbe Zeit war ich am Fuße des Berges. Die Maultiere ließen die Köpfe hängen und konnten vor Müdigkeit kaum weiter. Ich sah den Grenzstein zwischen den zwei Gebieten, in der Nähe stand ein verfallenes Holzhaus. Ich rastete nur kurz und in drei Stunden war ich auf dem Berggipfel bei der Witwe, die mich gut aufnahm. Vor allen Dingen gab ich die Maultiere in den Stall, sie hatten viel Gerste, so daß die Tiere sich satt fraßen und einschliefen. Die Witwe, Rachel mit Namen, war wirklich ein schönes, starkes Weib,

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