Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- David Royfe
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 654 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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654 MENORAH den ich aber nicht berührte. Ich schlief ein, um am Morgen, wirklich gestärkt, zu erwachen, und wurde dem Haushofmeister vorgeführt. Dieser sagte mir, als Jude hätte ich unreine Hände, dürfe den Erzbischof nicht berühren, beim Eintritt ins Krankenzimmer müsse ich knien und so fort. Es war zwei Stunden vor Mittag, als ich das Krankenzimmer betreten durfte. Bei der. Tür verneigte ich mich tief und sprach: „Mögest du, hohen Herr, durch Gottes Hilfe Gesundheit finden/' — Der Erzbischof erzählte mir, daß er abmagere, unaufhörlich von Durst gequält werde und Rückenschmerzen habe. Ich wußte die Krankheit sofort zu deuten und sagte: „Hoher Herr, ich bringe Besserung, wir werden die Krankheit durch den Magen heilen." Dem Koch aber gebot ich, er möge seinem Herrn nur Kalb- und Lammfleisch vorsetzen, kein Wild, aber Hühner, und nichts, was aus Mehl bereitet sei. Dem Erzbischof ließ ich auf den Rücken abwechselnd warme und kalte Umschläge legen und nach allen Richtungen den Rücken fest reiben. Und die Juden im Orte, es waren etliche Familien, mußten mir Essen senden, es wurde ihnen gesagt, es sei ein jüdischer Gefangener im Schlosse und sie beteten, ich möge Gnade finden und nicht verbrannt werden. In der Küche sah ich einen Burschen mit rotem Haar, der schimpfte sehr über die Juden und ich dachte bei mir: „Möge der Allgütige ihm seine Sünde nicht anrechnen, er weiß nicht, was er tut." Eines Morgens aber, ich war im Gebet begriffen, hörte ich in meiner Sprache: „Guter Vater, erbarme dich, öffne!" Wie war ich erstaunt, als ich den Rotkopf vor mir sah; er bat mich, stille zu sein und erzählte mir, er sei, als er sieben Jahre alt war, seinen jüdischen Eltern geraubt und in ein Kloster gesteckt worden. Um ihn zum Koch auszubilden, habe man ihn auf einige Wochen in das Schloß gesandt, er wolle aber wieder Jude sein. Ich erschrak sehr und zitterte. Half ich dem jungen Manne und wurde dabei betreten, so stand uns beiden der Scheiterhaufen bevor. Deshalb tröstete ich den Jüngling: ,,Gott wird dir helfen, doch du darfst mich nicht mehr kennen." Es waren jetzt vier Wochen um, der Erzbischof sprach zu mir: ,,Du, Jude, bist wirklich ein guter Arzt, ich habe keine Schmerzen und nehme im Gewichte zu; willst du in der Stadt bleiben, so suche dir ein Judenhaus in der Gasse, der Eigentümer soll bezahlt werden und weiter hier wohnen dürfen." Ich antwortete: „Gesundheit und langes Leben wünsche ich dir, hoher Herr, aus dankbarem Herzen, lasse mich aber wieder auf mein Dorf zu meinen Lieben ziehen." Da befahl der Erzbischof, mir acht vollwichtige Goldstücke auszuzahlen und Tuch