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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 653

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
David Royfe
Date
1927-11-01
Page
Seite 653 (sequence 5)
Language
German
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DAVID ROYFE 653 beide, da sie die Religion nicht abschwören wollten, von Matrosen ertränkt worden. Michael versprach, mir in fünf Wochen Nachricht zu geben. Als die Zeit um war, kam der Bote und sagte: „Es ist heute Dienstag; Freitag kommt der Bräutigam; Du wirst Freude an ihm haben." Und wirklich am Freitag mittags kam Eleazar, möge ihm und ihr alles Glück beschieden sein, an. Er hatte einen Wagen mit zwei Maultieren und der Kasten war auf Riemen, damit er nicht schüttle. Er fuhr über den Hügel, so wie es Sitte war von jeher, ohne mich aufzusuchen, zu den Vorstehern und sie fragten ihn um Verschiedenes. Sie ließen mich rufen und ich sah Eleazar zum erstenmal. Er war in der ärztlichen Wissenschaft wohl erfahren und hatte Heilmittel, die ich nicht kannte. Eleazar blieb bei dem Vorsteher zu Gast und am Abend darauf, als es schon völlig Nacht war, schrieb der Vorsteher den Heiratsbrief und auf unserem Hof fand die Trauung statt. Und die Mädchen im Dorfe sangen Spottlieder und am frühen Morgen segneten wir unsere Kinder, die wir viele Jahre nicht sehen sollten. LJnd wieder verflossen Jahre, Garsche war groß und stark geworden und half mir bei den Krankenbesuchen. Es kamen Leute viele Stunden weit und brachten Gerstenmehl, Bohnen, Öl und Heu, denn Geld sah man zu jenen Zeiten auf dem Dorfe selten. Eines Tages, der Sabbat ging zu Ende, kamen drei Bewaffnete den Hügel hinauf und als sie mich sahen, fragte der Älteste: „Bist du der Jude David, der Arzt?" Ich antwortete: „Du sagst es." Die Reiter stiegen ab und erzählten, der Erzbischof, dem das ganze Gebiet viele Meilen im Umkreise gehörte, sei schon lange krank. Seine Nichte, die Herzogin, hatte ihn kürzlich besucht und bei dieser Gelegenheit sei ich empfohlen worden. „Du mußt sofort mit uns reiten, zwei Pferde, für dich und deinen Medizinkasten, sind im oberen Dorfe bei dem Richter zurückgeblieben." Ich setzte den Reitern kaltes Fleisch, Weißbrot und Wein vor, betete das Abendgebet und nachdem ich Garsche gesegnet hatte, ging ich mit den Reitern zum oberen Dorfe. Zwei Tage und zwei Nächte ritten wir und nur sehr wenig wurde gerastet. Die Pferde waren gut und jung, doch als ich in die Residenz des Erzbischofs einritt, waren meine Hosen mit Blut befleckt. Spät abends kamen wir an und ich wurde in ein Gefängnis gesteckt; das Fenster war so hoch, daß man nicht auf den Hof sehen konnte. Man brachte mir Brot und Wasser, ferner einen Krug Rotwein.

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