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Menorah · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · p. Seite 652

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 11 (November 1927)
Article
David Royfe
Date
1927-11-01
Page
Seite 652 (sequence 4)
Language
German
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652 MENORAH Während wir sprachen, kam der Herzog, ein Neffe unseres Landesherrn, des Erzbischofs, von vielen Reitern begleitet, an meinem Hof vorüber. Ich verneigte mich tief und rief: „Es lebe der Herzog!" — Der Leibarzt aber ritt hinter dem Herzog her und ich hörte ihn noch sagen, daß ich ein berühmter Arzt sei. Vier Tage nachher, es waren Halbfeiertage und Zeit, das Abendgebet zu verrichten, wurde an die Fensterläden stark geklopft; es schien uns, als sei Pferdegetrappel zu hören. Ich fragte, da ich Bewaffnete sah: „Was ist euer Begehr?" Sie sagten: „Bis du der Judenarzt?" — Ich antwortete: „Ihr sagt es." Darauf erzählten sie mir, ihr Herr, der Herzog, sei von einem jungen Pferde durch einen Hufschlag verletzt worden, der Leibarzt aber sei kurz vor dem Unfall zu der Herzogin berufen worden, die einer Entbindung entgegensehe. Sie führten ein gesatteltes Pferd mit und trieben mich zur Eile an, damit wir am frühen Morgen in des Herzogs Lager kämen. Ich setzte ihnen Milchhirse, Gerstenbrot und Wein vor und nachdem ich die Kinder gesegnet, machte ich mich mit den Reitern auf den Weg. Am Morgen wiesen mir die Kriegsknechte ein Zelt in der Nähe des Herzogs an; ich fand den Verletzten mißmutig, untersuchte ihn und fand eine Rippe gebrochen. Der Herzog hätte Stechen in der Brust und spuckte etwas Blut. Ich verordnete Ruhe, gab Umschläge von kaltem Wasser, auch Latwerge mit zerstoßenen Eierschalen ließ ich ihn nehmen. Als vier Wochen um waren — der Leibarzt war in der Zwischenzeit zurückgekehrt, die Herzogin hatte das Land mit einem Erben beschenkt — sagte mir der Herzog: „Ich kann schon, wenn ich mich stütze, im Lager umhergehen, du kannst in dein Dorf zurückkehren." Sein Haushofmeister gab mir vier Goldstücke, fünf Ellen braunes Tuch für ein Kleid, eine Mütze aus Samt mit vier silbernen Glöcklein und ein Maultier. Ich erhielt auch einen Brief, wo der Herzog mich lobte und empfahl. Im Dorfe, wo ich nach vier Wochen Abwesenheit ankam, freuten sich alle, daß es mir so gut ergangen. Und wieder vergingen Jahre um Jahre. Mirjam, unsere Tochter, war schon über sechzehn Jahre alt und wir machten uns Sorgen wegen der Heirat unserer Einzigen. Und ich sprach mit Michael, dem Boten. Dieser Mann ging von einer Gemeinde im Lande zur anderen und kannte viele Leute. Michael sagte, in der großen Stadt am Flusse, wo schon Schiffe vom Meere zur Flulzeit einfahren können, wohne ein Judenarzt mit Namen Eleazar, der vielen Zuspruch und ein eigenes Haus habe. Seine Eltern wären

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