Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- Die Balfour-Deklaration
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 645 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE BALFOUR-DEKLARATION 645 nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina, zu ermöglichen. Gleichzeitig wurde in der Balfour-Deklaration deutlich ausgesprochen, daß diese politische Konzeption in keiner Weise die Rechte und politischen Verhältnisse der Juden in irgendeinem Lande, wo sie wohnen, beeinträchtigen darf — also festgestellt, daß die Schaffung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina keine Änderung ihrer staatsbürgerlichen Rechte in den Ländern der Diaspora mit sich bringt. Die Ralfour-Deklaration, deren Veröffentlichung in eine Phase des Weltkrieges fiel, da die Situation politisch und militärisch schwankend war (in Rußland hatte der Bolschewismus gesiegt, Frankreich war erschöpft, Italien konnte nicht mehr weiter, Deutschland bereitete eine neue kontinentale Offensive vor, die amerikanische Hilfe lag noch in mehr als weiter Ferne), wirkte als Überraschung. Wie es zur Balfour- Deklaration kam, darüber gibt es heute schon, da erst zehn Jahre verflossen sind, eine Reihe mehr gut gemeinter als guter — Legenden; mit einer sei gleich aufgeräumt, da sie sich besonders hartnäckig behauptet: der Professor der Chemie an der Universität Manchester und gegenwärtige Präsident der zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, welcher damals die Verhandlungen mit England führte, hat die Balfour-Deklaration nicht, wie die so oft zitierte, mehr unfromme als fromme Legende behauptet, als „Belohnung" für die Erfindung eines — Giftgases erhalten, das in seiner Wirkung das deutsche „Gelb- Kreuz" übertraf, und hat auch nicht für die Herstellung eines wirksamen SprengstolTes den „Judenstaat als Honorar" bekommen. Daß solche und ähnliche Dinge über die Veranlassung zur Balfour-Deklaration in Umlauf waren und sind, beweist nur, wie überraschend sie kam und wie wenig mit einer solchen Enunziation gerechnet wurde. Tatsächlich hatte England, als es im Jahre 1915 durch die Verhandlungen mit dem Scherifen Hussein von Mekka (dem späteren König des Hedschas, der dann nach kurzer Kalifenherrlichkeit im Jahre 1925 nach Zypern in die Verbannung gehen mußte) den Abfall der Araber von der Türkei organisierte, im Einvernehmen mit Frankreich und Rußland über die Teilung der Türkei die Teilung Palästinas in „Interessensphären" vorgesehen und das Abkommen des damaligen englischen Oberkommissärs in Ägypten, MacMahon. mit Hussein, sowie der nach den beiderseitigen Unterhändlern benannte, im Mai 1916 abgeschlossene Sykes-Picot-Vertrag zwischen England und Frankreich sahen für Palästina, ausgenommen die Häfen von Haifa und Akko, die England zufallen sollten, ein internationales Kondominium vor, dessen Form durch spezielles übereinkommen mit Rußland und den übrigen Verbündeten, sowie mit dem Scherifen Hussein (dem präsumptiven Oberhaupt des zu errichtenden unabhängigen arabischen Staatenbundes) später festgesetzt werden sollte. Bei näherem Zusehen erscheint jedoch die durch die Balfour- Deklaration und in der Folge durch das englische Palästina-Mandat festgesetzte Bestimmung, daß die Errichtung eines „national home" für die Juden in Palästina vorgesehen ist, keiner plötzlichen „Eingebung" entsprungen; denn schon vor dem Abschluß des oben erwähnten Sykes-