Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- Die Balfour-Deklaration
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 646 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912877-2920853--05696-2920949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
f346 MENORAH Picot-Vertrages, der auch der dritten an der Neuordnung im vorderen Orient interessierten Macht, Rußland, genau bekannt war und mit Rußlands Zustimmung abgeschlossen wurde, fanden zwischen England, Rußland und Frankreich eingehende Verhandlungen über die jüdisch-zionistischen Ansprüche auf eine nationale Heimstätte in Palastina statt und in einem Memorandum der britischen Botschaft in Petersburg an den russischen Minister des Äußeren vom 13. März 1916 heißt es (zitiert nach Wolfgang Weis 1: „Der Kampf um das Heilige Land") u. a. „ .. . scheint es der Regierung Seiner Majestät, daß ein Abkommen, welches den Juden die Möglichkeit garantieren würde, die Verwaltung der inneren Angelegenheiten dieses Gebietes (ausschließlich Jerusalem und den heiligen Stätten) in eigene Hand zu nehmen, sobald ihre Kolonisten in Palästina stark genug sein würden, um mit den Arabern konkurrieren zu können, weit anziehender für die meisten Juden sein würde." Die Zarenregierung erhob keine Einwendung gegen diesen Palästina-Plan. Schließlich war Sir Mark Sykes, der Mann, welcher im Namen Englands den Sykes-Picot-Vertrag über den vorderen Orient mit Frankreich schloß, neben Balfour einer der stärksten Befürworter der zionistischen Vorschläge betreffend die nationale Heimstätte für die Juden in Palästina. Das im Sykes-Picot-Vertrag vorgesehene internationale Kondominium wurde in modifizierter Form durch die im Namen des Völkerbundes ausgeübte Mandatsverwaltung durch England erfüllt; gegen die Erteilung des Palästina-Mandats an England wurde von keiner der interessierten Mächte Einspruch erhoben (Rußland war nach dem Sieg der bolschewikischen Revolution ausgeschieden); für die Ratifizierung der neuen Palästina-Konzeption durch die Araber, die im Sykes-Picot-Vertrag vorgesehen war, fehlte allerdings die darin angeführte Voraussetzung: die Errichtung eines unabhängigen arabischen Staatenbundes. Damit im Zusammenhang läßt sich die inzwischen allerdings sehr abgeschwächte Propaganda der arabischen Nationalisten gegen die Balfour-Deklaration erklären. Aber ob nun die Balfour-Deklaration Teil einer längst entworfenen politischen Konzeption Englands war, ob sie einer der damaligen Situation angepaßten Improvisation entsprang, ob mystische oder realpolitische Tendenzen sie beeinflußten — sicher ist, daß sie in den Augen der ganzen Welt, der nichtjüdischen wie der jüdischen, etwas geradezu Unglaubliches zum politischen Grundsatz werden ließ, was durch zwanzig Jahre nur von einer Handvoll als Schwärmer angesehener Juden als Voraussetzung für die Lösung der Judenfrage proklamiert worden war: die internationale Anerkennung der Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina. Die Menschheit fühlt, daß sie an den Juden wieder gutzumachen hat, und daß deshalb, wie einer der edelsten Männer der britischen Nation, Lord Cecil, sagte, das jüdische Palästina eines der bleibenden Güter der Menschheit sein kann; Symbol für diesen Willen zur Wiedergutmachung ist die Balfour-Deklaration; aus ihr wird die Wirklichkeit werden, die ihr das Judentum gibt. E. G. Fried