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Menorah · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · p. Seite 593

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-10-01
Page
Seite 593 (sequence 9)
Language
German
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AUF DEM HÜGEL 593 harten Zopf fielen, den man mit der alten, rostigen Schere abgeschnitten hatte. Man schneuzt sich in die Unterröcke und Schmiel-Jossje kriegt Püffe in den Rücken. Sein Licht schmilzt, erlischt jedesmal und er zündet es an dem Lichte seiner Frau von neuem an. Beide führen Breindel, ihre Jüngste, unter dem Arm zur Chipeh, sie führen sie in den Garten, zum leeren Stall hinaus. Der Bräutigam in seinem breiten Streimel wird von seinem Vater und seiner Schwester geleitet, langsam und vorsichtig, als wollte er weglaufen. Die Leute drehen sich stumm und mit furchterregender Feierlichkeit unter dem zerknitterten, nach der Weiberschul riechenden Baldachin. Dudsie Burmile stützt ihn gemeinsam mit dem Belfer, er hält die beiden Stangen und die anderen Jungen, die Enkelkinder, die auch mithelfen möchten, stößt er mit den Füßen weg. Er läßt sie nicht zu, er will den Baldachin allein tragen ... Man dreht sich im Kreise in dem feierlichen, stillen Frost und die zarte, heisere Stimme des Messader kidischin schlägt Triller in der blauen Stille: „Koil chusson, wekoil kal—lu—uh ..." „Koil ssussoin wekoil ssim—chu—uh ..." Die Stille zittert in den Herzen nach; man fühlt den Frost nicht, der in der Nase prickelt. Der dichte Menschenhaufen ist zu einem Klumpen zusammengewachsen auf dem bläulich-weißen Schnee, der immer wieder unter den Füßen aufknirscht. Es herrscht tiefe Stille, der verhaltene Atem friert in den geöffneten Mündern. Von irgendwo, aus weiter Ferne, glaubt man einzelne gezählte, zitternde Worte in der blauen, feierlichen Stille zu vernehmen: ,,Harei at. .." „Maseltow .. . maseltow . . ." Schmiel-Jossjes Augen sind feucht. Er hat jetzt keine Zeit, sich mit lautem Geschmetter in sein rotes Schnupftuch zu schneuzen. Die Weiber werfen sich auf ihn und küssen ihn. Sie weinen und küssen einander, wTeinen und küssen einander: „Masel—tow, masel—tow . .. Vater .. . Schwiegervater ... Mutter ... Schwiegermutter ... masel—tow ..." Die aufgespeicherte Freude bleibt im Halse stecken und der Flötist, von Stephan Bulbas Fiedel begleitet, hilft ihr flink auf und gewährt ihr freien Lauf. Das ist der wohlbekannte Marsch, den die Musikanten, von der Chipeh kommend, aufspielen: „Schwäher, Schwie—ge—e—er... masel—tow der Schwie—ger..." Schmiel-Jossje pflegte sich diesen guten, fröhlichen Marsch nach der Chupeh nie anzuhören. Er hat nie Zeit, er eilt immer voraus, um

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