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Menorah · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · p. Seite 582

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Article
Die synagogale Kunst im Mittelalter
Date
1927-10-01
Page
Seite 582 (sequence 12)
Language
German
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582 MENORAH lieh war. Unter dem rituellen Traualtar wechseln sie die Ringe, links die Brautmutter im Wimpel, rechts der Brautvater mit dem Becher und hinter ihm ein munterer Laulenschläger. Auf dem Holzschnitt des Titelblattes in H. Prg. (S. 48) hält der Hausherr in der Rechten das Licht, in der linken eine Schüssel mit dem Flederwisch, daneben steht die Anweisung für das Wegräumen des Gesäuerten. Weiterhin (S. 27) sprengt der im Lehnstuhl gemächlich Sitzende aus übergroßem Becher Tropfen Weines von sich fort, um so gleichsam die Plagen von sich abzuwenden. — Die Miniaturbilder der A. B. bringen zuweilen auch noch das christologische Moment zum Vorschein. Joseph wird von seinen Brüdern zum Verkauf zwei mit Speeren ausgerüsteten moros, also Mauren statt Israeliten, zugeführt, weil jene damals die feindlichen Fremden in Spanien waren. In dem das Zelt der Zusammenkunft in der Wüste darstellenden Vollbilde trägt der vor dem goldenen Tische stehende Hohepriester die päpstliche Tiara. Die vom Strafgericht nach Ez. 9, 6 Befreiten haben als Zeichen des favor Dei, der göttlichen Gnadenrettung, die griechische Tau-Form T auf der Stirn, das Schächerkreuz, an das die von den Römern in ihren Kolonien zum Tode Verurteilten festgebunden wurden, daß sie daran verhungern mußten. Während die ausführlich breite Texterklärung der A. B. die Ansichten der Weisen in Synagoge und Kirche streng voneinander scheidet, ist die Kunstdarstellung damals so wenig wie heute zur autonom einheitlichen Formenreinheit fortgeschritten. Indem die Gestalten der weit zurückliegenden biblischen Zeit mit Gewandung, GewafTen und Gebäu aus dem Besitz des Betrachters ausgestattet werden, werden sie in dessen vertraute Nähe gezogen und ist ihnen gleichsam in seiner eigenen Wohnstatt ein trauliches Heim bereitet. Dadurch werden auch die Gefühle und Leidenschaften, welche die innersten Regungen ihres Gemüts enthüllen, noch mehr in den Blickpunkt des anschauenden Bewußtseins gerückt und die weltenfernen Begebenheiten so eigenartig und stark beleuchtet, daß gar kein Anachronismus dabei empfunden wird, daß die altbiblischen Personen und Dinge in der seltsam neuen Ausstattung aus D. Juans II. Tagen oder einer anderen ebenso fremden geschichtlichen Umgebung auftreten. Es treffen hier zwei grundverschiedene Strömungen zusammen, die lebendige Anschauung der eigenen Umgebung und deutlich erkennbare Wiedergabe der innerlichen Seelenregungen mit der den älteren Besitzstand des biblischen Altertums wie der Antike bewahrenden, aber kirchlich formelhaft gebundenen Illustrationstechnik der byzantinischen Zeit, so daß im wechselvollen Spiel dieser kirchlich höfischen Kunst keine von ihnen sich sieghaft durchzusetzen vermag. Allein die Ornamentik, so auf den Titelblättern, die in A. B. jedem Buche mit dem Faksimile des Originalmanuskripts in der großen dekorativen Malerei einer Folioseite vorangestellt sind, konnte ohne jede Hemmung nach freiheitlicher Gestaltung ringen. Die Zierleisten am Rande der in mattem Gold ausgeführten Kunstschrift mit

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