Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 580 (sequence 10)
- Language
- German
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580 MENORAH ihm von einem Balkon herab eine Edeldame aus einer Vase Blumen auf den Weg nieder. H. Prs. bietet einen Beitrag zur Kostüm- und Sittenkunde der städtischen Bevölkerung ihrer Zeit, indem sie die Teilnehmer an der Passahfeier mit der hohen burgundischen Mütze und den Frevler in knappem burgundischem Kostüm mit den damals modischen Schnabelschuhen zeigt. H. It. enthält Hirten, die auf einem Bergabhang den Dudelsack und die Schalmei, die chevrete und den chalemel romanischer Hirten spielen, in A. B. tragen R. Mose und die anderen Juden natürlich das ihnen vom Papste Bonifazius VIII. anbefohlene Judenmerkmal, und lehrreich wirkt die lebensvolle Ansicht des Innern einer Synagoge nach H. It. Indessen läßt sich die Darstellung nicht an der realistisch sinn fälligen Veranschaulichung des Wirklichen genügen, sondern ist deutlich bestrebt, auch Gemütserregungen und Leidenschaften der biblischen Persönlichkeiten vor oder während ihres Handelns dem Betrachter nahezubringen. Kain trägt beim Brudermord in A. B. kein Schwert wie in H. Srj., nicht den auf Skulpturen üblichen Knotenstock, auch nicht die gewohnte Kinnlade, sondern wirft sich über den zu Boden Gerissenen und beißt ihn einem Wolfe gleich in die Kehle, daß ein Blutstrahl daraus hervorbricht. Dürftig schreitet Joseph im bloßen Wams dahin, weist aber mit energisch erhobener Hand das ihm nachfolgende Weib zurück, das den ihm entrissenen Mantel hält. In H. Srj. wendet sich Pharao in der Darstellung der Plagen mit Entsetzen von einem Basilisken ab, der ihn anfällt, und der Hagel schlägt ihm die Krone vom Kopf. In H. Grf. schauen die Ägypter den ausziehenden Juden aus ihren Häusern nach, und in H. Nrb. führen sie einen mit Frauen und Kindern besetzten vierspännigen Reisewagen mit sich, auf dessen Sattelgäulen zwei mit Schwert und Lanze bewaffnete Troßknechte reiten, ein greifbar deutliches Bild der mittelalterlichen Gewohnheiten. Drastisch zeigt A.B. die Götzen Verehrung des Volkes nach Ezech. 9, 9. Scharen von Männern und Frauen, die aus dem überhohen Bogentor der burgartigen Tempelfeste kommen, tragen Weihrauchfässer in den Händen, und eine neigt sich mit gefalteten Händen anbetend vor einem vorübereiienden Schakal. Entsetzt streckt wie zur Abwehr wider sie der Prophet die Hände aus, während ein aus den Wolken niederschwebender doppeltgeflügeller Engel ihm die Rechte segnend aufs Haupt legt und mit der Linken nach den Sündern hinweist, die nach Ez. 9, 6 das Strafgericht ereilen soll. Vielfach stattet die legendarische Auslegung des Midrasch die Darstellungen noch mit reizvollen Zügen aus. In H. Nrb. stehen Adam und Eva, nur mit dem Feigenblatt ausgestattet, neben dem Paradiesesbaum, an dem die Schlange mit einem Menschenantlitz emporgekrochen ist. Der hebräische Vers bemerkt dazu: Daß Adam nackt und Eva ungeschnürt, Hat baß den Schlangengeist verführt. Er hieß sie das Gebot verletzen, Wollt' dann an Eva sich ergetzen.