Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 579 (sequence 9)
- Language
- German
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DIE SYNAGOGALE KUNST IM MITTELALTER 579 mehrt. Zu ihrer Wiedergabe ist auf die Fülle des wirklichen Lebens zurückgegriffen, wie es zur Zeit D. Juans II. von Kastilien Südspanien durchflutete, so daß viele Bilder aktuelle Erscheinungen jener Zeit widerspiegeln. Die Stammesfürsten Israels sind nach 1. B. M. 49 auf thronartigem Gestühl oder blumiger Heide ruhend, zu Pferde über das Feld sprengend oder als gepanzerte Reiter sämtlich mit ihren Bannern in der Hand dargestellt; so führt Dan einen grünen, flammen spei enden, langgeschwänzten, geflügelten Drachen und Sebulon ein hochbordiges Schiff mit emporstrebendem Vorderteil und rotem flatternden Flaggenband auf dem geschwellten Segel. Eine mit oberitalienischen Miniaturen aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts gezierte Haggadah (H. It.) stellt Sodom als eine mit Mauern und Türmen befestigte italienische Stadt jener Zeit dar, auf die ein Engel Flammen und Schwefel niederstreut. H. Nrb. veranschaulicht durch die Seuche Ägyptens an halbnackten Figuren, Mann und Frau, mit Pestbeulen unter den Armen und am Leib die verheerende Pest des Mittelalters. H. Crf. läßt die Reiter Ägyptens die charakteristischen konischen Helme ihrer Zeit tragen und A. B. von dem regelmäßig sechseckigen Gebäu vor der auf der Hochebene eines Felsblocks sich erhebenden Feste her den Propheten Ezechiel mit warnend erhobener Rechten auf einen gegen ihn anrückenden größeren Trupp Lanzenreiter mit herabgelassenem Visier einsprechen, während zur Seite zwei kleinere Scharen Fußvolk hinter langen, gewölbten Schilden mit Schwertern gegeneinander vorgehen. Vom höher aufragenden Burgfried herab stößt der zum Gleichnis mit dem Propheten dort aufgestellte Turmwart gleichzeitig in eine übergroße Posaune, den nahenden Feind zu melden und zugleich das sündhafte Volk zu erschüttern. Auch diese Zeichnung entbehrt der logischen Ausdeutung der zugehörigen Bibelstelle, da hier der Prophet nicht zu dem Volke redet, das unsichtbar bleibt, sondern zu dem schwertgerüsteten Feind; aber die hier gebotene Darstellung muß dem Kriegsfürsten, für den sie zunächst bestimmt war, wirksamer in die Augen springen, und darauf kam es dem Künstler vor allem an. Reizvoll sind die kulturellen Sitten und Kostüme des kastilischen Hoflebens durch das Bild von Esthers Krönung wiedergegeben. Vor dem von Türmen flankierten Palast steht im kostbaren, langen Königsmantel mit doppelreihigem, groß ausgerändertem Zackenbesatz und hohem, steifem, am Saum zurückgeschlagenem Kragen die jugendliche Königin, das Haupt demutvoll vor Ahasveros geneigt, der ihr die Krone aufs Haupt setzt. Hinter ihr die kranzgeschmückten Ehrenjungfrauen in langschleppenden Gewändern, die durch kostbare Gürtel zusammengehalten sind, und im gleichen Kopfschmuck die Edelknaben hinter dem König in ihren nur bis zum Knie reichenden kurzen Gewändern. Ebenso ist die Darstellung von Mardochais Erhebung mit lebensvollen Zügen ausgestattet. Während der gefürstete Reiter, das Zepter in der Rechten, mit dem Fuß auf einen am Boden liegenden, doch bekränzten Sklaven tritt, als wäre dieser der Perron oder Steinblock, von dem aus er sich aufs Pferd schwingen will, streut