Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 578 (sequence 8)
- Language
- German
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578 MENORAH mit dem Kopf nach unten hinunter. In H. Nrb. weist der heimkehrende Elieser auf seinen Herrn Isaak hin, der, dem Schriftwort mehr als getreu, auf dem Kopfe stehend vom Brunnen (nach 1. B. M. 24, 62) zurückkommt. Es ist von Wert zu erfahren, wie der gelehrte Verfasser der A. B. selber über die Ausgestaltung ihres Bilderschmucks urteilt. Der Kloster wart des Franziskanerordens zu Toledo und Vetter des Großmeisters D. Guzmann Fray (= frater) Arias de Enzinas, hatte gleich zu Anfang R. Mose Arragel wissen lassen, er werde den Malern für ihre Arbeit, die mit sechs Voll- und 334 Miniaturbildern über alles bis dahin Geleistete weit hinausging, Anweisungen geben, und der Rabbi äußert sich später darüber: „Herr Arias malt die Blüten der Seele und die sinnlich wahrgenommenen Blüten der Welt und belebt die Seelen derer, die ihn hören und vernehmen." Augenscheinlich gehen diese Worte auf die der vielfältig symbolischen Darstellungsart der Bilder zugrunde liegende Auffassung, dann auf die Verwendung der seiner Umwelt und eigenen Zeit entlehnten Motive wie die vom Mönche dementsprechend erteilten Anweisungen und Erklärungen. — Die Übereinstimmung der Bilder mit dem Text wort hing in A. B. zuweilen mit ihrer Einfügung in dieses zusammen. Während die Raumverteilung im Abdruck aus technischen Gründen getrennt erfolgte, mußte der Rabbi auf Verlangen des Mönches für das Originalmanuskript in seiner Textschrift den Raum dafür freilassen. Von Bedeutung hiefür ist das die Verwerfung Sauls durch den Propheten Samuel nach 1. Sam. 15, 27 schildernde Bild, zu dem der Glossator bemerkt: Trotz der Darstellung des Geschichtschreibers ist hier gemalt, wie Samuel dem Saul den Mantel zerreißt, während es nach dem Schriftwort jeder von ihnen sein kann. Mir aber scheint es offenbar, daß Saul den Samuel festgehalten habe und nicht umgekehrt. Denn da er das Weggehen Samuels, der ihn getadelt hatte, als das Zeichen seiner Verwerfung auffaßt, Samuel aber nicht, erfaßt ihn Saul am Mantel, so daß er zerreißt. Der hier erhobene Einwand beweist nicht nur, daß die Zeichnung des Bildes trotz dem Vorangegangenen vor der Feststellung des Textes erfolgte, sondern auch den Widerstreit zwischen der Auffassung des Rabbi und der dem Maler erteilten Anweisung. Geistvoll ist der Zusammenhang zwischen Text und Bild in H. Prg. gegeben. Neben der Erwähnung des Nissan- Neumonds ist der zu diesem hinaufweisende Hausherr gezeigt, wie er (S. 12) nach dem erklärenden hebräischen titulus die entsprechende Eulogie sagt. Unter der Stelle: ,,Von altersher wohnten eure Väter jenseit des Stromes und dienten fremden Göttern*' rudert (S. 14) ein Fährmann den auswandernden Patriarchen über den Strom. Weniger sinnig als dialektisch erhebt ein bärtiger, das Passahlamm am Stricke führender Jude den rechten Oberarm, weil der Schenkelknochen des Lammes nach dem hebräischen Begleitwort an den zu Israels Errettung ausgestreckten Arm Gottes erinnert. Die Zahl der Motive ist in A. B. entsprechend dem schier unerschöpflich reichen ErzählstofT der Bibel außerordentlich ver-