Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 576 (sequence 6)
- Language
- German
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576 MENORAH goldenen Stab des Statthalters und ebendort der auf erhöhtem Stuhle sitzende weise Gamaliel I. eine Geißel über drei Schülern, die mit Büchern vor ihm sitzen, doch nicht wegen seiner ihm vom Talmud im Anfang (nachgesagten Strenge, sondern als das Zeichen seines Lehramtes. So kehrt der Stab in verschiedenen Berufen als das Führerzeichen wieder, dient aber auch als Sinnbild des Schutzes oder Wanderstab. — Das Schwert erhebt die Ordensleute zu Rittern, wie das Ordenskreuz auf ihrer Brust sie an das Mönchsgelübde der Enthaltsamkeit bindet7). Natürlich führt der Frevler als Trabant mit einem Federhut eine Hellebarde und einen gewaltigen Zweihänder (nach H. Nrb.) und in einer Haggadah der oberdeutschen, schwäbisch-fränkischen Landschaft aus der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts (H. Sfr.) in Budapest als bärtiger, geharnischter Krieger einen ungarischen Säbel. In einer Engelshand aber wird das Schwert zum Sinnbild des göttlichen Zornes. Rein religiös ist das Symbol des Heiligenscheins oder der N i mb u s, der auf II. B. M. 34, 29/35 zurückgeht. Er umstrahlt in A. B. das Haupt Gottes, seiner Engel und der von ihm berufenen Propheten, von Frauen aber allein Noomi wie das Kind der Ruth, das sie nach Ri. 4, 16 zu Bethlehem auf dem Schöße trägt. Die Engel sind wie die Ritter im heroischen Typ jugendlich unbärtig dargestellt, während die Propheten und Israeliten stets den mehr oder weniger patriarchalischen Bart tragen. Im Gegensatz hiezu weisen in A. B. die Hahnenklauen des Satans, der vor Jobs Weibe steht, auf sein schamlos keckes Treiben im Höllengrunde hin, wie der Kuh schwänz an Stirn und Hinterkörper der zu Boden gestürzten nackten, aber gekrönten Wasthi sie als des Satans Raub kennzeichnet. Der Kranz auf dem Haupt der Edeldamen und Junker an Ahasveros Hofe weist sie dem Kreis der höfischen Freude zu. in der natürlichen des Hohenliedes aber wie den daran anklingenden altfranzösischen Pastorelen setzt ihn die Freundin dem Geliebten aufs Haupt, sei es der König Salomo oder der gefangene Herzog von Luxemburg und Brabant, der die Zier von Rosen, Lilien, Maiglöckchen, Maßliebchen, Mohn und Kornblumen oder von Schwertlilien, Stachelhalmen, Efeu, Farnkraut, Strohhalmen, Blättern, selbst Nesseln, aus Marderpelz oder Goldbrokat gefertigt, trägt. Alle diese und noch weitere Symbole kennzeichnen den Typ, dem eine Person oder Sache zuzurechnen ist, so daß vor allem jener und nicht das Einzelwesen an sich beachtet werde. Selbst der Großmeister und der Rabbi, die der Miniator der A. B. vor Augen hatte, werden von ihm durch die sie verdeutlichenden Symbole als Idealgestalten nicht anders typisiert als Salomo und Mose. Die Persönlichkeit mit ihrer individuellen Eigenart tritt so weit zurück, daß erst die Spruchbänder, die sie in Händen tragen, dem Betrachter sagen müssen, wen sie darstellt. Noch in der jüngeren Haggadah des R. Gerschom ben Sch'lomo Kohen zu Prag8) von 1526 (H. Prg.) stellt dieselbe Figur des bärtigen Sophisten in weitem Mantel mit spitzer Kapuze (S. 8 u. 29) R. Elieser wie R. Gamaliel (S. 34) und