Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 575 (sequence 5)
- Language
- German
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DIE SYNAGOGALE KUNST IM MITTELALTER 575 bildliche Gestaltung des Kunstschaffens so sehr einschränkt, daß sie sich vielfach zur bloßen Stilform verflüchtigte. Das Bild verlor seinen Eigenwert dabei so sehr, daß es nicht um seiner selbst willen, sondern vielmehr zum symbolischen Hinweis auf eine transzendent-kirchliche Idee dastand. Diese sinnbildlich veranschaulichende Kraft beherrschte ebenso wie die Kunstdarstellung gleichermaßen auch die schöne Literatur und die gesellschaftlichen Lebensgewohnheiten des mittelalterlichen Menschen so sehr, daß sie den einzelnen von der Wiege bis zum Sarge begleitete, bis sein Bewußtsein ganz von den Ideen ausgefüllt war, die ihren zahlreichen Symbolzeichen entsprachen. Ein solches ist der Thron, auf dem das in großer Dekoration eine ganze Folioseite füllende Titelbild der Albabibel (A. B.) den Großmeister von Calatrava zeigt. Im Sockelwie einem anderen Bilde kniet vor ihm der Rabbi, indem er ihm das fertiggestellte Bibelwerk überreicht. Seine Haltung, wie die spätere des Stammesfürsten Juda mit seinem Löwenbanner und weiterhin die König Salomos auf ihrem Throne, atmen die Majestät des thronenden Erlösers, die sich an die Darstellung des höchsten weltlichen Herrn, des Kaisers, anlehnt, wie sie sich schon in der spätantiken Periode zum festen Schema entwickelt hatte. Ebenso liegt in einer nordfranzösischen Haggadah der Pariser Nationalbibliothek (H. Prs.) aus der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts der Erzvater Jakob, ein andermal Joseph vor dem thronenden Pharao auf den Knien. Nach derjenigen von Serajevo aber, die wohl Ende des XIII. Jahrhunderts in Spanien entstanden ist (H. Srj.)6), sitzt Joseph auf dem Throne, während zu seinen Füßen ein Schreiber die Menge der eingelieferten Körner niederschreibt. Dieser Abstand zwischen dem gebietenden Herrn und seinen Untertanen ist in romanischen Ländern mit ihren starreren Lebensformen selbst heute noch anzutreffen, wo die cour d'honneur, der Ehrenhof, um einige Stufen höher, die basse-cour, der Wirtschaftshof, aber ebensoviel tiefer angelegt ist als das Adelsschloß. — Ein anderes Symbol der höchsten Würde ist die Krone. Eine Haggadah des Germanischen Museums zu Nürnberg mit mitteldeutschem Charakter (H. Nrb.) vom Ende des XV. Jahrhunderts zeigt Joseph gekrönt zu Pferde, von berittenen Knappen gefolgt, voran einen Posaunenbläser. In H. Srj. trägt Pharao die Krone sogar, da er träumend im Bette liegt, aber nicht, wie v. Schlosser annimmt, wie ein Märchenkönig, sondern eben als das Attribut seiner Königswürde. In A. B. hat sie auch der schlummernde Nebukadnezar, dem später Daniel seine Träume deutet, aber ebenso die 31 Könige, die hingeschlachtet in prachtvoll bunter Gewandung zu Josuas Füßen liegen, auch Adonibezek (Richter 1, 5), der mit abgehauenen Fingern und Zehen am Galgen hängt. — Als fürstliches Hoheitszeichen ist das Zepter Salomo wie dem Großmeister und gleichfalls Ahasveros in die Hand gegeben, da er Esther die Krone aufs Haupt setzt. Auf den Vollbildern, die jene beiden zeigen, tragen die Pförtner, die aus den schmalen Seitenschiffen des Königswie des Ordenspalastes hervortreten, den Stab des Zeremonienmeislers, Joseph hält in H. Srj. den