Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · p. Seite 574

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Article
Die synagogale Kunst im Mittelalter
Date
1927-10-01
Page
Seite 574 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2912821-2912866-2912876-2920625--05520-2920734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

574 MENORAH werke folgen endlich kostbare Handschriften wie die Kölner der Mischne-Thora, die 1295 Nathan ben Simon ha Levi für seinen Schwager R. Abraham ben Berachja gefertigt und mit köstlichen Ornamenten und Bildern ausgestattet hat. Herrliche Bibelhandschriften erscheinen besonders zahlreich in der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts im südlichen Spanien. Die hebräischen Kodizes zeigen im allgemeinen spärlichen, aber durchweg erlesenen Schmuck, bisweilen, wie die der Kirche von Leon zugehörige Vigilano-Bibel3), den Tierkreis mit seinen Zeichen und symbolischen Figuren; andere haben Wappenzeichen, so das des Kardinals Iimenez de Cisneros, der später mit fanatischem Eifer für die Vertreibung der Juden aus Spanien eintrat, heraldische und ornamentale Verzierungen. Häufig kommt das gold- und rotgefärbte Wappen von Aragonien vor oder das kastilische mit Löwen und Festung, heraldische Lilien und der Davidschild als Randschmuck von Bibeln und Haggadoth. Als wichtigstes Merkmal des Europäisierungsprozesses erscheint neben Pflanzen und Tieren der Mensch. Spanische und italienische Handschriften des XIII. Jahrhunderts zeigen bereits die Schöpfungsgeschichte bis zum Einzug in Kanaan und das Passah-Fest illustriert. In den Bilderzyklen des Festgebetbuches, unter denen das Nürnberger hervorragt, werden besonders die vier Gestalten der Maasse merkabah des Ezechiel verwendet, Mensch, Löwe, Adler und Stier, die von der Kirche als Symbole der vier Evangelisten übernommen wurden. Weitaus die kostbarste und bedeutendste von allen Bibelhandschriften, die alle anderen nicht nur durch die reiche Fülle ihrer Texterklärung, sondern auch durch die Pracht ihrer künstlerischen Ausschmückung überstrahlt, ist die von Rabbi Mose Arragel4) im Auftrage des Don Luis de Guzman, des kunstliebenden Ordensmeisters von Galatrava 1433 hergestellte, dessen Geschlecht noch Tirso de Molina, der Zeit- und Streitgenosse des großen Lope de Vega, in Versen rühmt wie: Laßt mich im Hintergrund bei denen, Die im Lager der Guzman sind, Sei's in Schiffen, Wagen oder Kirchen5)! Diese Handschrift, von der jetzt eine köstliche Buchausgabe vorliegt, ist ein interessantes Mischerzeugnis der byzantinischen Traditionen des Ostens, wo der Bibelinhalt den Volksmassen wohlbekannt war und es sich vielmehr nur darum handelte, den Ideengehalt seiner Auffassung dem Bewußtsein des Betrachters zu vermitteln, mit den Bedürfnissen des europäischen Westens, der die möglichst sinnfällig gestalteten biblischen Illustrationen vor den bereitwillig aufnehmenden Sinnen des Beschauers ausbreitete, um ihm den Inhalt des Bibeltextes wirkungsvoll lebendig und unvergeßlich einzuprägen. Die ideelle Auffassung tritt hier nur als Begleiterscheinung zum biblischen Erzählstoff hinzu. So steht das Werk noch völlig in dem Bann, der die biblische Darstellungskunst damals ganz gefangenhielt. Sie fordert die asketische Zurückdrängung alles Weltlichen, welche die-xein stoffliche Betrachtung hintanzuhalten sucht und die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.