Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 573 (sequence 3)
- Language
- German
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DIE SYNAGOGALE KUNST IM MITTELALTER 573 schnitt, Kupferstich, Holzschnitzerei und Buchdruck hinzu. Unter Eduard I. wird zudem der jüdische Maler Marlibrum, d. i. R. Meir le Brun, gerühmt und im XVI. Jahrhundert zu Rotterdam die Malerin Esther Engelhard, in Venedig Angelina, die unter der Leitung Michelangelos schallte. Der künstlerische Wetteifer wendet sich der Ausstattung aller gottesdienstlichen Gebrauchsgegenstände zu, allein die Thorarolie bleibt ohne jeglichen Schmuck. Das dem Synagogenbau eigentümliche Stilgepräge erreicht seinen Höhepunkt in der Mitte des XIV. Jahrhunderls mit der unter D. Pedro dem Grausamen von seinem Finanzminister und anfänglichen Vertrauten Samuel b. Meir al Lavi Abulafia errichteten glanzvollen Synagoge zu Toledo, der jetzigen Kirche el Transito, zu der später die jetzige Santa Maria la Bianca hinzukommt. Dieses Kunstschaffen, das auch Bildwerken und dem schlichten Hausgebrauch ein festes Stilgepräge gibt, zeigt sich in seinen Anfängen durch die Araber beeinflußt. Weiterhin, da neue europäische Formelemente hinzukommen, schreiten die islamitische und christliche Kunst im VIII. und IX. Jahrhundert in entgegengesetzter Tendenz jene im Süden, diese im Norden des Mittelmeers weiter fort und treffen in Spanien zusammen, wo die hochstehenden Formen arabischer Zivilisation und die europäischen jahrhundertelang miteinander um die Vorherrschaft ringen. Während das Kunstschaffen in Frankreich ganz im Banne der gotischen Formgebung steht, auch in Italien und Deutschland wie anderen europäischen Ländern sich die Formen europäisch zu gestalten beginnen, bleiben in Spanien die retardierenden Momente bis zur Vertreibung der Juden herrschend. Der zähe Kunstwille der jüdischen Synagogenbauten, Malerei und Plastik zeigt sich darin, inwieweit Elemente der Gotik, Romanik, Renaissance und des Barock entweder gewählt oder weggelassen werden, während uralte künstlerische Überlieferungen das Kunstwollen binden. Bei der Anfertigung von Handschriften bekundet sich die Freude am künstlerischen Schmuck im Anfang nur in der Verteilung der Buchstaben wie der Wahl ihrer Größe. Buchstaben, die mit dem Auge kaum zu unterscheiden waren, wurden im Text zu Gestalten von Tieren und Vögeln zusammengesetzt, so in l'ornement hebreu des Leningraders v. Stassow und Barons David Günzburg. Dieses deutet bereits auf einen Höhepunkt der Schreibkunst hin, zu der bald auch die Handschrift-Miniatur hinzukommt. Sie, in der die verdrängte Schaffenslust sich auszuleben sucht, stammt aus dem IX. und X. Jahrhundert. Anfangs gab es allein illustrierte Haggadoth, die zum Hausgebrauch, nicht für die Synagoge bestimmt waren und den Kindern in die Hand gegeben wurden. Später kommt die Estherrolle hinzu, das Gebetbuch, das im Anfang gleichfalls Rollenform hat, und die Kabbalah. Dazu kommen später noch Mondscheine, Trauergebete, Heiratskontrakte oder K'tubboth, die besonders Mitte des XIV. Jahrhunderts in Spanien statt amtlicher Eintragungen dienen, Misrachblätter, dann Amulette mit kreisförmig angeordneten Gebeten zu Beschwörungs- oder Schutzblättern. Auf wissenschaftliche und Dicht-