Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 572 (sequence 2)
- Language
- German
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572 MENORAH Pflanzen- und Tiergestalten besonders im Anschluß an die Bilder im Segen des sterbenden Erzvaters Jakob wie die kühnen Visionen Ezechiels gestattet und allein die Darstellung des Menschenantlitzes verdammt. In Mainz und Worms wurde daher die malerische Ausschmückung der Synagoge durchgesetzt, zu Köln dagegen die von jüdischen Künstlern der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts gefertigten Glasmalereien, die Löwen und Schlangen darstellten, und selbst in dem kunstliebenden Padua der bildnerische Schmuck entfernt, weil dem Künstler die Anfertigung von Bildern nicht zu bleibendem Wert erlaubt sei, sondern nur, um seine Kunstfertigkeit darin zu üben. Indessen tragen auch die Wände der aufs erste Jahrtausend zurückgehenden Synagoge zu Sens farbige Darstellungen aus dem Kreise der jüdischen Zeremonien. Die zu Meißen 1429 zerstörte stellt an den Wänden Bäume und Vögel dar, ebenso zeigen die deutsche Synagoge zu Venedig, aber auch die polnische zu Ostropol, die litauische zu Zabhidow, besonders die galizische zu Jablonow reichen bildnerischen Schmuck2). Benjamin von Tudela trifft 1170 in der Synagoge zu Bagdad Schriftfriese an den Säulen an, und im XVI. Jahrhundert finden sich ganze Piutim oder Festgebete an den Wänden der Synagogen, darunter, trotz aller Einwendungen der Rabbiner, die Namen der jüdischen Schreiber. In den Handschriften deuten die hohe Technik und weit gediehene Formstilisierung auf eine weit zurückreichende Überlieferung, so der verschwenderische Goldreichtum, der an Bildern und Schrift die Farben noch völlig verdrängt, auf die starke Beeinflussung durch die Goldschmiedekunst hin, deren weite Verbreitung schon der Talmud bei seinem Bericht von der großen Synagoge zu Alexandrien erwähnt. Im VI. Jahrhundert finden wir sie in Nordarabien, im XI. in Languedoc, wo der Erzbischof von Narbonne den Kirchenschalz an jüdische Goldschmiede verkauft, späterhin in Navarra und Spanien, wo schon das häufige Vorkommen des hebräischen Namens Zoreph wie der spanische Orifice für sie zeugt. In Italien streiten sich Mitte des XV. Jahrhunderts die Höfe von Mantua und Ferrara um die Arbeiten des Selime aus Sessa, der sich nach seiner Taufe Ercole dei Fideli nennt, und dessen Arbeiten nach der Versicherung von Kunstkennern die schönsten LuxuswalTen der italienischen Renaissance in den Museen Europas bilden. Während auch arabische. Juden sich durch Verfertigung von WafTenzieraten aus Silber auszeichnen, trelTen wir jüdische Silberarbeiter später in Wien an, wo die Weihegeschenke des Tempels von ihnen herstammen, dann in Kopenhagen, Böhmen, Deutschland und Polen, wo sie mit vielen Gesellen arbeiten. Die Arbeiten des Stein- und Holzschneiders, des Kunstwebers und Buntwirkers werden in der Bibel schon beim Bau der Stiftshütte als die weise Eingebung des göttlichen Geistes gerühmt. Das auch heute noch in unseren Synagogen beliebte und vielfältig angewandte Flechtbandmuster beweist die große und frühe Vertrautheit mit der Textilerzeugung bei Anfertigung der kostbaren Teppiche und Gewebe. In der Renaissance des XIII. Jahrhunderts kommen noch Keramik, Holz-