Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Die synagogale Kunst im Mittelalter
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 571 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912876-2920625--05517-2920731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MENORAH V. JAHRGANG OKTOBER 1927 NUMMER 10 Die synagogale Kunst im Mittelalter Von Dr. Max Golde Die im Dienste der Synagoge stehende Kunst im Mittelalter ist nicht immer von Juden ausgeübt worden und erfordert nach dieser Richtung genauere Feststellung. Wohl aber geht sie stets auf jüdischen Geistesbesitz zurück, die Bibel oder das Leben der jüdischen Gemeinschaft. Da sich diese im Mittelalter zumeist in Verteidigungsstellung befand, öfter aber auch Reaktionen eintraten, so ist der Umfang der jüdischen Kunstbetätigung sehr eingeschränkt, ihre Richtung aber vielfach gesteigert, ja übersteigert. Bei der Minderzahl der Juden ist ihre Kunstform zumeist von ihrer Umgebung beeinflußt, selbst beherrscht. Auf dem Konzil zu Elvira 306 wird die Verwendung von Bildern in den Kirchen verboten, aber schon ein Jahrhundert später führt der Kirchenvater Augustin über ihre Anbetung Klage. Während späterhin der Bildersturm der Ikonoklasten zu Byzanz auch auf das abendländische Christentum hemmend übergreift, tritt bereits der römische Bischof Gregor II. 726 mit Wärme für sie ein, da für die Armen, die nicht lesen können, Bilder die Bücher seien, aus denen sie die Kenntnis der heiligen Schrift schöpfen sollten1). So stellt sich das Christentum beizeiten lebensklug auf die Seite des kunstfrohen Heidentums, weil es die mächtige Hilfe erkennt, die der Kirche von seitcn der Kunst werden kann. Auch im Islam wird schließlich die bilderfeindliche sunnitische Richtung von der bildfreudigen schiitischen überwunden, die unter dem Einfluß der iranischen Kultur die Miniaturkunst erstehen läßt. Einem ähnlichen Schwanken begegnen wir auch bei den Juden. Rabbi Baruch v. Rothenburg a. d. Tauber, 1293 gestorben, wiederholt die etwa ein Jahrhundert älteren Mahnungen des R. Jakob ben Samuel aus Speyer in seinem Sefer hajaschar, die Massora dürfe von Abschreibern nicht in Gestalt von Vögeln, Tieren oder dergleichen zu schreiben unternommen werden. Auch in Festgebetbüchern stören die Bilder, obwohl sie religionsgesetzlich unbedenklich seien, da die Befürchtung der Götzenanbetung geschwunden ist, doch die Sammlung der Beter. Dagegen Profiat Duran, 1359 geboren, erklärt in seinem grammatischen Werke Maasse ephod, das Schulhaus solle von schöner, gefälliger Bauart sein, da das Anschauen schöner Bauformen und gefälliger Skulpturen die Geisteskraft belebe, den Sinn ausweite und so den Lerneifer anrege und das Gedächtnis stärke. So haben auch spätere rabbinische Entscheidungen die Darstellung von