Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 9 (September 1927)
- Article
- Die Kremsierer Judengasse
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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554 MENORAH Sturm. Die Häuser wurden ausgeplündert und in Brand gesteckt. Bußgebete und Seelengedächtnisse für die Gefallenen, aber auch historische Dokumente berichten von den grauenvollen Tragödien. Die jüdischen Bewohner von Kremsier wurden zum Teil hingeschlachtet, zum Teil in die Gefangenschaft verschleppt. Die ►Synagoge brannte nieder und mit ihr wurden über 30 Gesetzesrollen nebst vielen goldenen und silbernen Tempelgerälen vernichtet. Die gefangengenommenen Juden wurden später durch ein hohes von den Gemeinden Wien, Amsterdam und Hamburg aufgebrachtes Lösegeld befreit und zerstreuten sich in der ganzen Well; viele von ihnen siedelten sich in Wien an. Im Jahre 1646 wurde Kremsier von den Schweden neuerdings heimgesucht und es blieben von der einst großen und blühenden Judengemeinde im ganzen zwei Bewohner übrig. Ein Unglück, das irgendwo die Juden heimsuchte, sollte, wie so oft, zum Wachstum einer anderen Judengemeinde heil ragen. Im Jahre 1670 kam es wieder einmal in Wien zu einer Judenvertreibung und einige der Unglücklichen (darunter die sehr angesehenen Familien Mar und Riss) wandten sich nach Kremsier, wo sie für Scliwtzgekl ein Asyl fanden. Ihr Wohlergehen lockte immer mehr Nachzügler an und so vollzog sich cin ziemlich rasches Wachstum der Gemeinde. Um das Jahr 1700 wurden die Kremsiercr Juden, denen es, wie bereits erwähnt, unter den toleranten Bischöfen meist gut gegangen war, aus ihrer Ruhe aufgeschreckt. Nach der Wahl eines neuen Bischofs, des Herzogs Karl von Lothringen, für den seiner Jugend wegen Administratoren das Amt versahen, drohte ihnen die Ausweisung, die erst im letzten Augenblick hintnngehalten wurde. Während des österreichischen Erbfolgekrieges (im Jahre 1742) wurde die Kremsierer Judengasse von durchziehenden Husaren und von Bauern überfallen und geplündert,