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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. Seite 555

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Die Kremsierer Judengasse
Date
1927-09-01
Page
Seite 555 (sequence 3)
Language
German
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DIE KREMSIERER JUDENGASSE 555 wobei einige Personen ums Leben, kamen. In den folgenden Jahren bedrückten die Juden Krcmsiers dieselben Sorgen wie die aller übrigen Gemeinden Österreichs, die beständige Angst vor der Vertreibung, die ihnen seil dem Regierungsantritt der Kaiserin Maria Theresia drohte. Da sich die Vertreibung ohne Schaden für den Staatssäckel als undurchführbar erwies, beschränkte man das Wachstum der österreichischen Judenschaft durch das drakonischeste aller Gesetze, die je geschaffen wurden, durch das sogenannte P"amilianlengeselz. Auf Kremsier entfielen 10(5 Familien. Noch ein Ereignis spielte sich innerhalb der Mauern Krcmsiers ab, das gewiß auch bei den jüdischen Bewohnern einen liefen Eindruck hinterließ: die Tagung des Reichsrai es im November 1848. Kremsierer Juden beherbergten berühmte Politiker. Die fünf jüdischen Abgeordnelen: Dr. Ad. Fischhof, Dr. Jos. Goldmark, Großhändler Abraham Ilatpern, der Wiener Prediger Isaak Noa Mannheimer und der Krakauer Rabbiner Bacr Meiseis fanden bei ihren Kremsierer Glaubensgenossen besonderes Interesse. Und noch einige Worte zu unseren Abbildungen. Es fällt auf, daß sich die Kremsierer Judengasse mit ihrem schönen Gemeindehaus in der Mitte von anderen mährischen Ghettos durch ihre Vornehmheit unterscheidet. Das hat seinen Grund darin, daß sich die aus Wien eingewanderten reichen Juden nach dem Vorbilde ihrer ehemaligen Wiener Wohnungen stockhohe, mit Slirnmaiieni versehene Häuser bauten. Die Synagoge, deren innere und äußere Ansicht wir bringen, wurde im Jahre lf>9.'5 zur Zeit der Amtstätigkeit des Judenrichters Josef Mar (auch eines Wiener Einwanderers) erbaut und im Jahre 1U08 demoliert. Auch der alte .ludenfriedliof besteht seil Jahrzehnten nicht mehr. An seiner Stelle befindet sich gegenwärtig die neue Synagoge.

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