Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 9 (September 1927)
- Article
- Jossel, der Schammes
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 515 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JOSSE L, DER SCHAMMES 515 Raschi-Kapelle in Worms die Frau; keine wagte ihr Haus zu verlassen; oftmals bekam Jossei auf sein Klopfen gar keine Antwort. Und Jossei erwog: „Die Zeit ist arg, keiner wagt, sein Haus zu verlassen — da wird Gott mir verzeihen, denn es geht um ein Menschenleben." Rasch ging Jossei nach Hause. In einem Winkel seiner Kammer hingen hinter einem Linnenvorhang die Kleider seiner Frau, die lange vor ihm diese Welt verlassen hatte. Diese Kleider zog Jossei jedes Jahr am Purim an, wenn er mit den ßeth-Hamidrasch-Schülern von Haus zu Haus zog, um das Purimspiel von Haman und Mordechai aufzuführen, in dem er die hochgepriesene Königin Esther vorstellte. Diese Kleider seiner Frau zog er nun an, setzte sich eine Haube auf, verhüllte, wie es damals Brauch war, sein Gesicht mit einem weißen Schleier, der dicht genug war, seinen Bart zu verdecken und hob dabei seine Stimme zu Gott: „Gott, du mein Gott weißt es: ich lue dies nicht um eines Scherzes und einer Lustbarkeit willen, sondern um eine Menschenseele zu retten." Dann packte Jossei alle Instrumente ein, deren Wehmütter bedürfen; denn seine zu Gott eingegangene Frau war Hebamme gewesen. Auch was sonst nötig war, nahm Jossei mit: den großen Zuber, das