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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. Seite 512

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Jossel, der Schammes
Date
1927-09-01
Page
Seite 512 (sequence 2)
Language
German
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512 MENORAH In der düsteren Abenddämmerung erzählte Jossei den Kindern oft die Geschichte vom Sarg des berühmten Zaddik Mar Amron, der in einem Kahn auf dem Rhein gen Köln geschwommen kam. Die Kölner wollten den Sarg bergen, um ihn auf ihrem Friedhof zu bestatten — doch sie vermochten es nicht, denn der Sarg wurde immer schwerer, je mehr ihrer sich bemühten, ihn aus dem Wasser zu ziehen. Die Juden aber konnten ihn leicht ans 1 and bringen; denn Mar Amron stammte aus Köln und hatte auf seinem Sterbebette seine Schüler gebeten, ihn in seiner Geburtsstadt Köln zur ewigen Ruhe zu bestatten. Die Schüler fragten ihn: „Rabbi, wie sollen wir dein Gebot erfüllen? Die Straßen sind nicht sicher, und die Christen werden (Gott verhüte es) deinen heiligen Leib schänden." Da befahl der Rabbi seinen Schülern, die Truhe mit seinem Leichnam in einen Kahn zu legen und den Kahn dem Rhein zu überantworten; die Wellen des Rheins würden selbst die Truhe nach Köln bringen; so geschah es denn auch. Auch die Geschichte von dem jüdischen Papst, dem sein Vater im Traum erschien, erzählte Jossei den Kindern, und die Geschichte von Raschis Mutter: die wollte, als sie, ihren heiligen Sohn unter dem Herzen, über die Straße ging, ein Ritter niederreiten; sie stellte sich an eine Mauer und siehe, die Mauer wölbte sich zur Nische und die Nische barg die Mutter und das werdende Kind vor den Hufen des Rosses. Die Nische in der Mauer ist zum Gedächtnis dieses Wunders bis zum heutigen Tage erhalten geblieben. Solche und andere Geschichten, die Jossei, der Schammes, in seinem Buche „Wimdergeschichten" hinterlassen hat, erzählte er den Kindern. An diese Geschichten hatte Jossei die Kinder so gewöhnt, daß sie von ihm Geschichten verlangten, sooft sie ihn trafen. Wie nur die Kinder Jossei auf der Straße sahen, liefen sie ihm nach und riefen ihm zu: „Jossei, Jossei, erzähl' uns eine Geschichte!" Und sie ließen ihn erst seines Weges gehen, wenn er ihnen versprach, am Abend zwischen dem Mincha- und Maariwgebet ihnen eine neue Geschichte zu erzählen. Zur bestimmten Zeit warteten schon die Kinder auf Jossei, und wie nur der Chasan das Kaddisch-Gebet begann, zupften die Kinder Jossei am Rock, zogen ihn zu den zwei Säulen und setzten sich um ihn herum. Es war nun Josseis Art: Kaum sah er die Kinder um sich mit offenen Augen und Mündchen begierig auf seine Geschichte warten, da fiel ihm gleich eine Wundermär aus dem alten Worms ein, die er in seiner Kindheit von den Großeltern hatte erzählen hören, welche selbst viele der Wunder erfahren hatten. Denn Worms war eine alte Gemeinde und erprobt in Leiden. Jossei schilderte den Kindern die Er-

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