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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. Seite 508

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Ausländer über polnische Juden im XVIII. Jahrhundert
Date
1927-09-01
Page
Seite 508 (sequence 2)
Language
German
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508 MENORAH sogar in ein und demselben Zeitabschnitt Polen besuchten1). Und es ist sicherlich interessant, diese diversen Ansichten gegenübergestellt zu sehen. Schließlich ist noch zu bemerken, daß wir der einen oder anderen Reisebeschreibung und Schilderung auch wertvolles Tatsachenmaterial aus dem Leben der polnischen Juden, insbesondere aus ihrem Wirtschaftsleben verdanken. Wir bringen die auf die Juden bezughabenden Stellen der Reisebeschreibungen in alphabetischer Reihenfolge und in wortwörtlicher Übertragung zum Abdruck. Einleitend versehen wir jede Schilderung mit kurzen biographischen Daten über die einzelnen Reiseschilderer: 1. JOHANN BERNOUILLP). Entstammt einer bekannten Gelehrtenfamilie, die bedeutende Astronomen» Mathematiker und Naturwissenschaftler zählte. Bernouilii, der am 4. November 1744 in Basel geboren und am 13. Juli 1807 in Berlin gestorben ist, war ein bedeutender Mathematiker seiner Zeit. In den Jahren 1777/78 besuchte er Pommern, Preußen, Kurland, Rußland und Polen und hatte diese Reisen in ausführlicher Weise in einem sechsbändigen Werke geschildert: Johann Bernouillis, der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin und anderer gelehrter Gesellschaften Mitglied, Reisen durch Brandenburg, Pommern, Preußen, Kurland, Rußland und Polen in den Jahren 1777/78", erschienen in Leipzig in den Jahren 1779 bis 1780. Seinen Aufenthalt in Roczanow, wo er bei einem Polen Nachtquartier genommen hatte, schildert er wie folgt: Band VI: S. 31. „Die Ursache, warum wir bey einem Polen einkehrten, war der Sabbat, an welchem Tage von den Juden, die meist alleHerberge halten, gar kein Dienst zu erwarten ist. Des Mittags war die Wirtin zu Melicza, eine Jüdin, nicht dahin zu bringen, Feuer für uns anzumachen. Als es aber zum Bezahlen kam und ein Dukaten sollte gewechselt werden, wußten die Schurken sich ganz gut zu helfen, obschon ihnen das Gesetz verbietet, an diesem Tage Geld anzurühren. Sie und ihr Mann zählte die Münze, nachdem sie die Finger mit einem Schnupftuche bedeckt hatte, gerade, wie der Capuziner in einer anderen Reisebeschreibung, welches langweilig aber posierlich genug war." S. 32. „Man ist in Ansehung der Bewirtung, Bequemlichkeit usw. überhaupt kaum besser daran, als bey den Polen, zumal, wenn sie auch mit allerley versehen sind, sie wegen ihrer Religionsgesetze, so wenig als möglich hergeben. Der große Vortheil, den wir bey ihnen fanden, war, daß sie deutsch sprachen. Doch kamen *) Der bekannte polnische Historiker, Xawery Liske, bringt in seinem Buche „Cudzoziemcy w Polsce" (Lemberg 1876), Auszüge aus auf Polen bezughabenden Reisebeschreibungen im 18. Jahrhundert nachstehender Reiseschilderer: Johann Bernouilii (S. 197 bis 256), Johann Erich Biester (S. 257 bis 300) und Johann Josef Rausch (S. 301 bis 322). 2) Allgemeine deutsche Biographie, Band II, S. 482.

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