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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 481

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Davids Flucht
Date
1927-08-01
Page
Seite 481 (sequence 4)
Language
German
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DAVIDS FLUCHT 481 Joahs Männer sangen: „König David! König David!" Davids Seele frohlockte ob des Sieggeschreies. In ihm jauchzte es: ..Ich werde wieder heimkehren nach Jerusalem! Ich werde wieder das Reich haben und die Macht und die Herrlichkeit!" Die Lüfte dunkelten. David fühlte voll Entsetzen leeren Raum und Schwere und daß er stürzte. Der Sturm heulte: ,,Du begehrst für dich auf Erden nichts mehr? Du begehrst nichts mehr?" In reuevoller Scham erinnerte sich David an den inbrünstigen Wunsch, der ihn emporgetragen hatte. Zitternd flehte er: „Herr, laß das Kind leben!" Eisig hauchte ihn der Abgrund an. Davids Seele klammerte sich an den letzten irdischen Grat, der brüchig in die Unendlichkeit hineinragte. Umringt von dem Grauen der Ewigkeit betete er ins Dunkel. Aber schon fühlte er, daß er nichts von Gott erbitten durfte, sondern daß Gott etwas von ihm verlangte. Gott heischte, daß er Ihn furchtlos ansehe, daß er Ihn ganz erfasse, ganz begreife, ganz ergründe, daß er nicht zurückschaudere vor dem schwindelnden Verlieren des Raumgefühls, des Zeitgefühls, daß er nicht zurückschrecke vor dem Sprung in Gottes Tiefe. Er riß alle Kraft seiner Seele empor. Er wagte, sich aus dem dumpfen, warmen Menschensein zu Gottes unfaßbarer Höhe zu erheben. ,.Zu Dir, Herr! Nimm mich hin! Nimm hin, was ich habe! Ich will zu Dir! Zu Dir!" Da war ihm, als ob er wüchse und wüchse, über Erde und Meere und über die Sterne hin, ohne Grenzen. Eine Stimme tönte: David! David! Warum hast du Mich, deinen Gott, solange warten lassen? Wenn du heute nicht gekommen wärest, hättest du verfaulen müssen. Und Ich habe dich doch zu Meiner Ehre erschaffen! Ich habe Mich erfreuet an dir. Ich habe dich dazu erwählet, in dir zu wohnen, durch dich Licht auszustrahlen in Himmel und Tiefen. — David, warum flohst du vor Mir? Warum fürchtetest du dich vor Mir? Warum mußte Ich dich schleifen durch Schmach und Schuld und Schmerz, eh du wieder zu mir fandest. Weißt du nicht, daß Ich dich liebe? Weißt du nicht, daß du aus Mir geboren bist?" Eintönig, ewig umflog ihn die Stimme Gottes. Und das. was jenseits gewesen war, war nun diesseits. Und was außen gewesen war, war innen. Das unendliche Himmelsgewölbe war in ihm. In ihm ging die Sonne auf. Und dann gab es kein Außen mehr und kein Innen, kein Vorher und kein Nachher, keinen Raum und keine Zeit. Nichts gab es, was David nicht offenbar war. David war bei Gott.

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