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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 479

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Davids Flucht
Date
1927-08-01
Page
Seite 479 (sequence 2)
Language
German
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DAVIDS FLUCHT 479 gepackt wären. Schweigend hob er Bathseba auf das Reittier und hüllte sie in eine Decke. Klatschender Gußregen löschte die Fackeln aus. Das Stadttor stand offen. Die von Absalon aufgestellten Wachen waren betrunken. Sie hatten Weiber auf dem Schoß und gröhlten Schimpflieder auf König David. Unbehindert ließen sie jeden durchziehen. Die aufgeregte, lärmende Stadt lag bald hinter den Flüchtenden; selbst die Lagerfeuer waren nicht mehr zu sehen. In der sternlosen Regennacht schritt der König auf dem schmalen Gebirgspt'ad hoch über der Randkluft. Er dachte des frechen Lieds, das die Söldner gebrüllt hatten. Er horchte auf das Brausen der Bergbäche, die von den Felswänden niederstürzten, und auf die dunkle Melodie, die im Regen rann. Er horchte auf den Klagegesang, der in ihm aufschluchzen wollte. Es war ihm, als ob tief in seiner Brust Harfensaiten ausgespannt wären, an denen ein wilder Schmerz riß. der Jammer, daß er flüchten mußte vor Absalon, seinem Sohn. Vorsichtig führte er an dem hänfenen Strick das Maultier, auf dem die Frau ritt. Immer wieder drehte er sich um und achtete auf die Schritte des Tieres, umfaßte voll Sorge und Liebe den dunklen Umriß von Bathsebas Gestalt. In seinem Herzen dachte er: Sie trägt ein Kind von mir. Wird es ein Sohn sein? Wrird er einst König sein? Wird er den Tempel zu Ende bauen? Oh, was will Gott? In einer Höhle des Gebirges von Moab brachte Bathseba das Kind zur Welt. Es war ein Knabe. Ängstlich glimmte sein Fünklein Leben. Wochenlang beugten sich Vater und Mutter hoffend über das Kind und horchten auf dessen unruhige Atemzüge. Vor dem Eingang der Höhle tobte der Sturm, brach unaufhörlich schwerer Regen nieder und spülte lehmige Flut zu ihren Füßen hin. Sie merkten es nicht. Sie dachten nicht an die Gefahr, die von den Häschern Absalons drohte. Sie sorgten nur für das Kind. Sie sprachen nur von dem Kind. Wie sich dessen Schicksal gestalten würde, was sie tun wollten, daß es rein und froh aufwachsen könnte. All ihre Liebe senkten sie in die Seele des Neugeborenen, aber dessen mattes, zuckendes Leben wollte erlöschen. Bathseba lag auf dem schimmeligen Streulager. Stockend kam es von ihren zerrissenen Lippen: ,,Bete zu Gott!" David wich erschreckt zurück: „Ich kann nicht beten." Bathseba drängte: „Du kannst es. Du kannst es. Mann. Gott hat dich erwählt. Sein Geist hat auf dir geruht. Du mußt wieder zu Gott zurückkehren." Kummervoll schüttelte David den Kopf. Er wußte, daß er es nicht

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