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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 475

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Ernst Waldinger
Date
1927-08-01
Page
Seite 475 (sequence 3)
Language
German
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ERNST WALDINGER 475; nd saßen wir nicht auf besonnten Bänken :.m stillen Herbstpark, spielend und beschaulich.* erstanden sie die Fernen einzuschränken, o schien uns alles nahgerückt und traulich, \Tenn sie erzählten aus uerschollnen Tagen i'nd mehr die Farben gaben als Gestalten,!>en Kindern gleich, die nur das Wellenschlägen nd mir den Abglanz des Geschehns behalten. ■ iefreudet sind der Anfang und das Ende, hie schicksalslos und keusch vor dem Erfahren, i'nd die seitab sind an der dunklen Wende, Die milden Greise, reif und satt von Jahren. Gefühl des Kör fers Wie war uns unser nackter Körper fremd, Wenn er sich abends aus dem Spiegel hob, l ud wenn zum ersten Male unterm Hemd Ein Muskel wuchs und quellend sich verschob: Die magern, herben, knabenhaften Glieder, Sic glichen Wünschen, die sich nie erfüllten, Wie gut, daß Kleider ihre Armut wieder In häßliche Alltäglichkeit verhüllten. Erst als im Sprung sich unsre Sehnen spannten, Ms unser Leib die Ängstlichkeit verlor, Erst als wir keuchend hinterm Fußball rannten. Erkannten wir die Kraft, die in uns gor. Dann lagen wir im Sand und in der Sonne, \'om Wasser satt, und fühlten, wie wir reiften, Indes die Blicke in verträumter Wonne Die Brust hinab bis zu den Zehen streiften; Dann war es, wenn wir ringend uns umschlangen, Daß wir den Druck der Arme tiefer spürten, < 'nd selten nur und mit geheimem Bangen Daß wir des Freundes Schulter scheu berührten, 'Vach ward der Vers, hellenische Gestalt Heg auf vom Schulstaub, lächelnd, kühn und milde, End einer Statue schweigende Gewalt ' 'ies uns ihr Antlitz ernst aus Buch und Bilde, 'nd eines Nachts entschwand die ganze Gier, < /' Hirne Hämmern und der Herzen Dröhnen, ■<is lustverschlungne, schlafende Revier!'ng lautlos auf im Flügelschlag des Schönen. Aus ^JVlainomenoi^ Die Sirenen Vorbei an Klippen und an Katarakten! Taub sind sie dem Sirenenton der Meere; Ein Rumpf nach vorn, gewohnt an die Galeere, Und Fäuste, die das Ruder fester packten. Wachs in den Ohren, schreiten auf verschlackten. Berußten Kiesen zur Fabrik die Heere, Die offnen Tore in der Flügelschwere Erzittern leis von ihrer Schritte Takten. Odgsscus horcht: und wie ein Mammut chor Gefährlich schwillt die Stimme der Sirenen, Sie reckten sich auf kolossalen Sehnen Zum Saitenspiel der Schlote plump empor; Odgsseus horcht: ein letzter Trillerschrei. Die Tore schließen sich. Vorbei. Vorbei? JVlarscJilied des großen Landstreichers Wer mit freudigen Füßen die Ferne besiegt, Wer der harrenden Hoffnung entgegengeschmiegt, Die Gewitter besteht und den Wolken entgeht, Die die Schwäche ihm schwankend bereitet; In der Einsamkeit badet das Herz er sich klar, Er zertritt seinen Schmerz und er findet die Schar Und er geht mit den Freunden, er schreitet. Und er geht in die Zukunft, die Welt wird so weit, Und die Frühlinge überall blütenbereit, Und die Herbste voll Frucht, und in trunkener Flucht Überschreit er den Sturm, der ihn weitet. Und es lehrt ihn Silen und ein schweifender Faun, Er verliert sich in Wälder> er paart sich mit Fraun, Und er wiegt sich im Wandern, er schreitet. Von den Gipfeln umfaßt er das Leben, umarmt Mit den Blicken die Wipfel, die Wiesen, erbarmt Sich der Lust, die sich schämt, und der Brust, die sich grämt, Weil ihr Mut sich mit Windmühlen streitet. Die erlöst sein Gelächter von Zögern und Wahn, Die erprobt er im Morgen auf tauiger Bahn, Wo mit fröhlichen Schritten man schreitet.

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