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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. Seite 451

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Der Künstler Liebermann
Date
1927-08-01
Page
Seite 451 (sequence 4)
Language
German
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DER KÜNSTLER LIEBERMANN 451 sich in das Nichts auflöste, wenn sie auch die offiziellen Positionen behielten. Übrigens war auch die Sezession keineswegs in dem Sinne revolutionär wie spätere Gruppen, in denen das bloß Neue, das launenhafte Experiment galt Liebermanns Einfluß wirkte nach der Seite gesammelter Arbeit, nicht, wie sie die Akademie auffaßte, als realistische Ausführlichkeit, wohl aber als wirkliche Darstellung eines eigenen Erlebnisses. Wie gut diese Atmosphäre war, das haben wir erst viel später richtig würdigen gelernt, als die neue Wüstheit anfing. Diese Atmosphäre der Berliner Sezession wurde für die gesamte deutsche Kunst belebend. In ihr und nur in ihr konnten sich Persönlichkeiten wie Corinth und Sievogt ganz entfalten, die dann wieder den Erfolg der Sezession sicherten. Die Kunst war das einzige Gebiet, auf dem Wilhelm II. seinen Willen nicht durchsetzen konnte. Er konnte wie jeder Privatmann bauen und meißeln lassen was er wollte. Liebedienerei half ihm zu verhindern, daß die Sezession offiziell anerkannt wurde. Aber die Nationalgalerie wurde die Sammlung dessen, was er haßte, die besten Kreise, auch die ihm nahestanden, hielten zur Sezession, der Ruhm und Einfluß des „Anarchisten" Liebermann wuchs unwiderstehlich, und die freie Kritik schlug seine Unternehmungen mit Spott und Hohn. Wenn auf den anderen Gebieten die Menschen ihm ebenso begegnet wären, so wäre die Geschichte anders verlaufen. Trotzdem: eines blieb unmöglich; die Königlich preußische Akademie konnte Liebermann wohl zum Mitglied, aber nicht zum Präsidenten wählen. Nun muß nicht gerade der erste Künstler Akademiepräsident sein. Menzel war es auch nicht gewesen; in dem Regime der Dummheit konnte man sich einen kleinen Mann in einer repräsentativen Stellung nicht denken. Ob es nicht doch ein Schmerz für ihn war? Er hat Orden und Adel des Schwarzen Adlers mit Stolz getragen. Darüber darf nur lächeln, wer solche Dinge in der Reichweite hatte und zurückgewiesen hat. Der Spott derer, für die sie nicht zu haben sind, ist billig. Bei Liebermann bin ich sicher, daß es für ihn ein Zorn war, die ihm gebührende Stelle nicht einnehmen zu können, trotzdem die Gegenstellung, die er sich geschaffen hatte, die Präsidentschaft von eigenen Gnaden, ohne Bindungen, vielleicht mehr bedeutete. Es mußte eine Staatsumwälzung geschehen. In dem Augenblick, als die Rücksicht auf den König aufhörte, fiel ihm die Würde von selbst zu.

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