Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Article
- Der Künstler Liebermann
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 452 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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452 MENORAH Und wieder zeigte sich, daß ihm eine Stelle an sich, so sehr sie auch persönlicher Ehrgeiz erstrebte, nichts bedeutete. Er mußte ihr Inhalt und Wirkung geben. Die notwendig gewordene Sezession hatte das Kunstpublikum zerrissen. Keine Ausstellung konnte mehr wie vorher ein Ereignis werden, das alle sammelte. Das war ohne Zweifel ein Schade. Und Liebermann, mit seinen damals zweiundsiebzig Jahren — wie übrigens auch heute mit seinen achtzig — von ungeminderter Energie und so kampfbereit, daß er auf das leiseste Signal losgeht, wählte es zur Aufgabe seiner Regierung, diesen Schaden auszuheilen. „Herrschsucht", sagen die Gegner, von denen er sich wie jeder Geratewohl-Mensch eine hübsche Sammlung erworben hat. „Jetzt, da er die Akademie ist, soll die Akademie alles sein.*' Psychologie kleiner Seelen. Liebermann will oben stehen, aber das könnte er auch ohne Programm und ohne fortwährende Kämpfe. Und was er anstrebt, kann er doch nur beginnen. Zumal er nicht vorher wissen konnte, daß man ihm die Stellung, zu der nur auf ein Jahr gewählt wird, gegen alle Tradition Jahr für Jahr verlängern würde. Es ist wieder sublimierter Ehrgeiz. Die Akademie soll durch sein Präsidium ein dauernder maßgebender Faktor des Kunstlebens werden, und zwar des deutschen, trotzdem sie nur preußisch ist: Sammelpunkt aller guten Kunst ohne Rücksicht auf Richtung. Es ist genau das Programm der Sezession. Und man kann nur wünschen, daß alle Revolutionäre, die zur Macht gelangen, ihrem Programm so treu bleiben. Aber gegen dieses Programm kämpfen viele Egoismen. Auch ist natürlich nicht alles richtig was er will und manchmal muß der überzeugteste Verehrer gegen ihn scharf werden. Da gibt es immerzu Erregungen, und er klagt. Aber man glaubt ihm die Klagen nicht recht. Kampf ist sein Lebenselement, und er verdankt ihm seine wunderbare Frische. Noch heute ist jede seiner Reden eine Fanfare. FRITZ STAHL Berlin, im Juli 1927 Sämtliche Reproduktionen mit Erlaubnis des Verlages Paul Cassirer, Berlin