Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Article
- Der Künstler Liebermann
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 450 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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450 MENORAH hätten von sich aus niemals etwas wirken können, aber sie konnten eine Position schaffen. Zu gleicher Zeit hatten zwei junge Kunsthändler, Bruno und Paul Cassirer, einen modernen Kunstsalon eröffnet. Sie wollten in Berlin die neue französische Kunst einführen und den Erfolg Liebermanns organisieren. Mit der erwähnten Künstlergruppe hatten sie nichts zu tun und standen den meisten Mitgliedern gewiß sehr kritisch gegenüber. Ihre Idee war, mit rein kaufmännischen Mitteln für ihr Ziel, das aber keineswegs nur geschäftlich war, zu wirken. Es war eine geniale praktische Tat, als Liebermann die lose und auch ratlose Künstlergruppe und die beiden energischen und zielbewußten Kunsthändler zusammenbrachte. Es entstand die „Berliner Sezession", als deren Präsident er erst seinen ganzen Einfluß ausnützen konnte. Denn jetzt natürlich war der Kreis, aus dem er stammte, gewonnen. („Ich hab' jetzt so viele Vettern", sagte er mir einmal mit ironischem Lächeln, als ich ihm von einer Begegnung mit einem angeblichen erzählte.) Der Einfluß seines Jugendfreundes, des großen Museumsmannes Wilhelm Bode, wirkte für ihn in anderen Kreisen der Gesellschaft, in der der große Maler und viel gebildete und geistreiche Mann bald als Zugehöriger verkehrte. Es gab — das weiß niemand besser als der Kritiker, der die Kunsttaten und -meinungen Wilhelms II. mit aller Schärfe bekämpft hat — eine Fronde in Kunstdingen, die bis in die höchsten Kreise des Hofes und des Beamtentums reichte. Liebermann brachte alle diese Menschen der Sezession zu, sie bildeten den Stamm ihres Publikums, dessen werbende Kraft groß war. Die Sezession war nicht wie an anderen Orten eine Gruppe neben anderen. Ihre Ausstellungen waren mehr als rein künstlerische Ereignisse, sie faßten die besten Kreise der Stadt zusammen. Ihre Bedeutung konnte am besten an dem Haß erkannt werden, mit dem die Künstler der alten Richtung sie beehrten. Alte „ehrbare" Männer gingen hin und knipsten heimlich Bilder, die sie entsetzten, um dem Kaiser von den Greueln und Fratzen der modernen Kunst berichten zu können. Diese Sezession, die nur Liebermann hatte schaffen können, gab ihrerseits ihm die Machtposition, die er für seine Ziele brauchte. Eigentlich war es nur ein Ziel: die Mauer niederzulegen, die Berlin als Kunststadt von der Welt draußen abschloß. Und das hat er erreicht und damit die lokale Größe unmöglich gemacht, die bei dem Maßstab der Weltmeinung nicht bestehen konnte. Das war es, was ihm die bedrohten Zelebritäten nicht verzeihen konnten, deren Ruhm