Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Article
- Der Künstler Liebermann
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 449 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DER KÜNSTLER LIEBERMANN 449 Preis Erfolg haben wollen und ihre Kunst diesem Ziel unterordnen, während jenen nur der Erfolg erstrebenswert ist, den ihre Kunst bringt, die nicht anders sein will und kann als sie ist. Ihr Idealismus, ein wirklicher, liegt darin, daß sie ihr ganzes menschliches Ergehen untrennbar mit dem Schicksal ihres Werkes verbinden. Ihr Sieg ist dann zugleich der Sieg einer Überzeugung, alle Folgen werden wieder Mittel, diese Überzeugung durchzusetzen, neben ihrer Bedeutung für die eigene Person. Von dieser sublimierten Art ist der Ehrgeiz Max Liebermanns, der um so stärker wuchs, je mehr er unter dem Ausbleiben des Erfolges zu leiden hatte und sich zugleich veredelte. Zuerst hätte es ihm wohl genügt, wenn man einfach seine Kunst anerkannt hätte, am Talent hat ja niemand gezweifelt, und wenn er seiner Familie und seinem Kreise lobende Kritiken und gelegentliche Verkäufe hätte mitteilen können. Ich zweifle übrigens, ob das gut für ihn gewesen wäre. Ich teile die sentimentale Auffassung nicht, nach der dem jungen Talent Kämpfe erspart werden müssen, und fühle mich in meiner Meinung bestärkt dadurch, daß sich seit ihrem Sieg keine starken Persönlichkeiten mehr entwickeln. Kraft braucht Widerstand. Liebermann mußte erkennen, daß der Haß, der ihm begegnete, sich nicht nur gegen eine Person richtete. Die Zelebritäten wollten überhaupt Ruhe im Karpfenteich und jedenfalls in Berlin keine neue Kunst. Und dadurch wurde aus dem Kampf des einen ein Kampf um die Freiheit überhaupt. Man konnte ja eine solche Kraft auf die Dauer nicht niederhalten. In der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre — er war um die Vierzig herum — zog er in die Nationalgalerie ein, nach einem Erfolg in Paris. Und ein paar Jahre später mußte man ihm in der Großen Ausstellung den besonderen Saal und die Große Medaille geben. Aber da genügte ihm das nicht mehr, einer unter anderen zu sein. Von dort und der Akademie aus konnte er das Kunstleben nicht in seinem Sinne der Freiheit für jedes Talent umgestalten. Er brauchte eine Führerstellung. Und da man sie ihm damals nicht gab — er wäre sicher am liebsten Präsident der Akademie gewesen —, so schuf er sie sich selbst. Die Umstände kamen ihm zu Hilfe. Es gärte in der Berliner Künstlerschaft. Anton v. Werners Absolutismus wurde den Jüngeren unerträglich, und als er Edvard Munch's Ausstellung, zu der der Künstlerverein den jungen Norweger geladen hatte, in brutaler Weise geschlossen hatte, kam es zu einem ersten Konflikt, der dauernd nachwirkte. Es war keine Gruppe mit einheitlichen künstlerischen Anschauungen, Im Gegenteil. Es waren nicht einmal viele starke Talente. Sie