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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. Seite 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Das jüdische Schulwesen
Date
1927-06-01
Page
Seite 425 (sequence 2)
Language
German
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DAS JÜDISCHE SCHULWESEN 425 entgeltlichen Unterricht in moderner Weise erhallen kann. Für jüdische Kinder eröffnet der Staat in größeren Städten eigene Volksschulen mit polnischer Unterrichtssprache, in denen jüdische Lehrer und Lehrerinnen Unterricht erteilen. In diesen Schulen fällt am Sonnabend und an jüdischen Feierlagen der Unterricht aus, kommt aber an Sonntagen vor. In Warschau gibt es über 30 derartige Schulen, in denen etwa 17.000 jüdische Kinder, meistens Mädchen (die Knaben besuchen den ,Glieder'), Unterricht genießen. In Lodz besuchen diese jüdischpolnischen staatlichen Volksschulen etwa 29.000 Kinder und nur 5000 schulpflichtige Kinder erhalten Unterricht in anderen Schulen. Diese Elementarschulen entsprechen vielen jüdischen Bürgern sehr wenig; für die einen sind sie zu wenig religiös, für die anderen zu wenig national, für die organisierten jüdischen Arbeiter gellen diese Schulen als reaktionär; überhaupt hat man im gewesenen Kongreßpolen zu jeder Staatsschule wenig Vertrauen, da man von früher her gewöhnt war, für den Unterricht zu zahlen. Nun aber verlangen die meisten jüdischen Organisationen, der Staat möge ihnen die Verwaltung ihres Schulwesens überlassen und gemäß den §§ 109 und 110 der Staatsverfassung, wie auch der Minoritätenrechte aus Staatsmitteln die entsprechenden Fonds zuteilen. Dazu will sich der Staat wenigstens bis nun nicht bewegen lassen, steht aber niemanden im Wege, Privatschulen aus eigenen Mitteln zu gründen." ,,Gibt es, Herr Professor, bereits derartige nichtstaatliche Elementarschulen für jüdische Kinder?" „Im ehemaligen russischen Teilungsgebiete sogar sehr viele. Da kommt zuerst die zionistischhebräische Organisation ,T a r b u t' in Betracht. Sie unterhält in Polen 141 Elementarschulen, 61 Kindergärten, 224 Abendkurse und 2 Lehrerseminare für 26.000 Schüler. Die Unterrichtssprache ihrer Schulen ist hebräisch, Unterrichts- und Erziehungsmethode — modern, das Ziel weltlich: der nationale Jude als pflichtbewußter polnischer Staatsbürger. Die ,Tarbutl-Schulen sind Erziehungsanstalten der Zionisten und werden aus privaten Mi tiein ihrer Anhänger unterhalten. In zweiter Reihe kommen die Schulen der ,C e n t r a 1 e n jiddischen Sc h u 1 o r g a n i s a t i o n'. Es sind das Schulen der Jiddischen', radikalmodern und radikal-weltlich bis zur Konfessionslosigkeil, meistenteils in größeren Städten der östlichen Randgebiete des Staates (Wilna, Kowno usw.), aber auch in Warschau. Ihre Unterrichtssprache ist .jiddisch', ihr Erziehungsziel — der klassenbewußte Arbeiter als sozial gesinnter Staatsbürger; sie werden aus privaten Mitteln der Arbeiterorganisationen und -vereine erhallen*). Weiter kommen die modernisierten ,C h ed e r', die teils von den jüdischen Kulttisgemeinden, teils von den orthodox-religiösen Vereinen und Genossenschaften erhalten werden. Ihr Ziel — ist der glaubensfesle Jude als loyaler polnischer Staatsbürger." „Und wie steht es, Herr Professor, mit den jüdischen Mittelschule n?" „Mittelschulen gibt es in Polen genug, aber wenigstens die Hälfte sind Privatschulen. Im ehemaligen Galizien werden jüdische Kinder in die staatlichen Mittelschulen ohne Schwierigkeit aufgenommen, aber im ehemaligen Kongreßpolcn haben nur die wenigsten das Glück, eine staatliche Mittelschule zu besuchen. Die jüdische Jugend will aber doch eine Mittelschule besuchen, und hier ist die Basis für die vielen privaten jüdischen Mittelschulen (etwa 65), die von Korporationen, Kultusgemeinden oder privaten Unternehmern erhalten werden. Es ist selbstverständlich, daß diese Schulen ausschließlich der reicheren Jugend zugänglich sind, da das Schulgeld hoch, manchmal sogar sehr hoch ist. Nur in wenigen Vereins- oder Gemeindeschulen erhalten arme Schüler und Schülerinnen unentgeltlichen Unterricht. Lehrziel und Unterrichtssprache sind auch hier, ähnlich wie in den privaten Volks- *) Es gibt in ganz Polen 94 derartiger Volksschulen, 33 Kindergärten, 65 Abendkurse für 24 000 Schüler.

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