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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. Seite 409

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Jiddisches Theater
Date
1927-06-01
Page
Seite 409 (sequence 2)
Language
German
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JIDDISCHES THEATER 409 deutsche Sprache und größeren an die Verwaltungsbeamten durfte hier das jiddische Theater als „deutsch jüdisches" oder „deutsches" seine Zelte aufschlagen und die Singspiele von Goldfaden, Horowitz, Lateiner, Sohcikewitsch spielen. Eine völlige Änderung trat 1905 und in den folgenden Jahren ein, als einerseits das Theaterverhot aufgehoben wurde, anderseits die jüdischen Intellektuellen nach der erlittenen politischen Niederlage ihr Interesse der Thealerkunst zuwandten, wie es so oft in Zeiten einer politischen Reaktion geschieht. Es werden neue Truppen in Warschau gegründet (in manchen Saisons gibt es deren drei), die in der Hauptstadt spielen und von hier aus die polnische und russische Provinz bereisen. Zunächst bringen sie nebst Singspielen und Operelten auch Melodramen und nur an sogenannten „Literarischen Abenden" wagen sie dramatische Versuche; aber später werden Ensembles gebildet, die ausschließlich das Drama pflegen. Den Hauplbedarf an Stücken bestreitet Jakob Gordin, dessen Familiendramen den Spielplan beherrschen, aber auch Perez, Pinski, Asch, Hirschbein, Scholem Alechem, von Fremden: Gorki, Herzl, Bernstein kommen zu Worte. Eine ganze Schaar hervorragender Schauspieler erscheint auf der jiddischen Bühne. Das Naturtalent Libert, der temperamentvolle Julius Adler, der nach innen gekehrte Schelaso, der elegante Mischa Fischsohn, A. J. Kaminski, Tilelmann, Dranow, Sieratzki und allen voran die unvergleichliche Esther Rubel Kaminsk a, als Künstlerin und Mensch gleich bedeutend, die als „jüdische Duse" sogar in Petersburg große Triumphe feiert. Einen Wendepunkt in der Geschichte des jiddischen Theaters in Polen bedeutete die Gründung der „Wilnaer Truppe". Sie wurde 1916 in Wilna von einem Kreis begeisterter Theaterliebhaber ins Leben gerufen und fand rege Unterstützung sowohl beim theaterfreudigen Wilnaer jüdischen Publikum und insbesondere bei den Intellektuellen, als auch bei den im deutschen Besatzungsgebiet diensttuenden Westjuden und deutschen Schriftstel- .1 adith Laren Mitglied der Wilnaer Truppe Zeich/iurtg voti Wilhelm Wachtel lern. Der Erfolg blieb ihr auch treu, als sie 1917 nach Warschau übersiedelte, wo sie bis 1921 spielte. Die Stärke der Wilnaer Truppe lag nicht so sehr in den Einzelleistungen ihrer Mitglieder (unter den Frauen ragten: Alomis, Lares, Walter, Blumental, unter den Männern: Stein, Morewsky, Schneur, Asro, Nachbusch. Kowalski hervor) als in einem Gesamtspiel, das als Hauptziel angestrebt wurde. Der kräftige Naturalismus ihrer Spielart wurde hie und da von Stimmungskunst nach Stanislawskischem Muster gemildert. So gingen in Szene Stücke von Asch, Hirschbein, Pinski, Leivick, Nomberg, Arnstein, Kobrin, Gordin, Ubersetzungen von Dymow, Juschkiewitsch („Miserere"), Arzibaschcw („Eifersucht"), Andrejew, Hauptmann („Fuhrmann Henschel"), Heyermanns („Hoffnung auf Segen"), Sudermann („Schinetlerlingsschlacht", „Johannis-

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