Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Jiddisches Theater
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 410 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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410 MENORAH Noah Nachbusch Mitglied der JVLinaer Truppe, als Meschulach Ln Anskis „Dybuki! Zeichnung von Wilhelm Wachtel feuer"), Natansen („Hinler Mauern"), Fulda (.,Jugendfreunde") und anderen. In der Inszenierung des Anskischen „Dibuk", der zu einem Sensationserfolg wurde und etwa 300 Aufführungen erlebte, wurde eine Stilisierung der jüdischen Wirklichkeit versucht und erreicht. Die Erfolge der Wilnaer Truppe gaben im Jahre 1921 einigen älteren und jüngeren Schauspielern Anregung, an Stelle der Operettentruppe im Warschauer Theater „Zentral" eine dramatische zu gründen. Mit den Schauspielern Landau, Samberg, Turkow, Lipmann, Ledermann, Domb, den Schauspielerinnen E. R. Kaminska, Ida Kaminska, Altbaum und anderen wurden Molieres „Geiziger", Gogols ,,Revisor", Andrejews „Die sieben Verurteilten", Schulawskis „Sabbatai Zwi", von Originalwerken Goldfadens „Zwei Kimi-Lemel", Mendele Mocher Sforims „Die Musterung", Scholem Alechems „Towje, der Milchmann", Ettingers „Serkele", Asch' „Motke Ganef" aufgeführt. Dem letzten Stücke war ein Riesenerfolg mit über 300 Wiederholungen beschieden. Nachdem die Truppe als „Warschauer Jüdisches KünsUer-Theater" (W. J. K. T.) auf Gastspiele in die polnische Provinz gegangen war, führte „Zentral" Bearbeitungen von Hugos „Les Miserables" und Mendele Mocher Sforims „Der krumme Fischke", ferner Berkowitsch' „Moschke Chaser" mit Lipmannn, Kacyznes „Dukus" mit A. Morewsky auf, während das Kaminski-Theater die Operette und das Melodrama hauptsächlich amerikanischer Provenienz pflegte, was aber nicht hinderte, gelegentlich Harry Socklers stimmungsvolles Drama „Jiskor" herauszubringen. In der letzten Zeit bürgerte sich auf der jiddischen Bühne eine neue Abart des Thealerspieles ein: Die Kleinkunst, nach dem Muster des russischen „Blauen Vogels". Der Gründung des „Asasel" im Jänner 1926 folgte einige Monate später im neueröffneten Theater „Scala" der „Sambaljon"; beide erfreuten sich ursprünglich großen Zuspruches. Zu Beginn der laufenden Spielzeit wurde das „Warschauer Jüdische Kunsttheater" von Sigmund Turkow und Ida Kaminska wieder ins Leben gerufen und brachte Aufführungen von Goldfadens „Das zehnte Gebot", Rollands „Wölfe", Pats „In das goldene Land", Pinskis „Schatz", Herzers „Morphium" und Dostojewskis „Brüder Karamasow". Die jüdischen Schauspieler sind in einem „Zentralverband der jüdischen Schauspieler in Polen" organisiert, der auf eine elfjährige Tätigkeit zurückblickt und der nebst genossenschaftlichen Aufgaben auch um die künstlerische und kulturelle Förderung seiner Mitglieder bemüht ist. Während die Behörden und insbesondere die Zentralbehörden in den letzten Jahren dem jiddischen Theater Verständnis entgegenbringen, versteht es die polnische Presse, das jiddische Theater wie die jiddische Literatur mit bewundernswerter Unentwegtheit totzuschweigen.