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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. Seite 406

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Von Kunst und Künstlern
Date
1927-06-01
Page
Seite 406 (sequence 4)
Language
German
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406 MENORAH Zeichnung von Eli Nadelmann Pariser Terrain beschaffen, welches vor etwa 20 Jahren Künstler betraten, wie: der Bildhauer Eli Nadelmann, die Maler Leopold Gottlieb (ein Bruder des Maurycy), Eugen Zak, Mella Muter, Kramsztyk, und einige Jahre später Moise Riesling und Simon Mondzain. Jeder von ihnen war gezwungen, eigene Wege zu finden, da es eine Tradition kaum mehr gab. Es ging um Sein oder Verschwinden. Als erster zeigte Nadel mann der Öffentlichkeit seine Werke, welche eine Überraschung zur Folge hatten, auf die man damals kaum vorbereitet war. In einer Zeit, wo eine Sensation der anderen folgte, wo ein bißchen Problematik wie eine künstlerische Tat erschien, enthüllte ein einziger die Unvcrgänglichkeit ewiger Kunstgesetze! Seine Kunst war ein Wiedererwachen des Klassizismus in modernster Form. Seine Plastiken zeigten eine nicht alltägliche Meisterschaft. Seine Zeichnungen, vom selben Geiste getragen, jede einen Konslruktionskodex darstellend, halfen seinen Einfluß auf das zeitgenössische Schaffen erweitern. Es wird einmal mit Bestimmtheit festgestellt werden können, daß es nicht vielen gegeben war, auf die Entwicklung der Kunst unserer Tage so einzuwirken, wie dies Eli Nadelmann gelang. Es war im Jahre 1906, als ich zum erstenmal Werke Leopold Gottliebs in Krakau zu sehen bekam. Es waren dies lebensgroße Porträts, von einer so scharfen Charakteristik, wie ich ähnliche noch nie gesehen hatte. Diese Bilder waren wie hingehaucht und dennoch von einer ungemein wuchtigen Kraft, und so war es schon damals vollkommen klar, daß man es bei Gottlieb mit dem geborenen Malertalent zu tun hat. Einige Jahre später übersiedelte er nach Paris, wo sein bisher auf das Porträt begrenztes Schaffen eine große Erweiterung erfuhr. In seinen Kompositionen, welche auf stärkster Rhythmik basieren, klingt etwas von einer liefen Trauer leise mit, etwas unsagbar Geheimnisvolles, und eben dadurch so allgemein Menschliches. Eugen Zaks Schaffen war ein Lied, gesungen von einer empfindenden Künstlerseele. Er war einer der kultiviertesten Künstler, die ich je gekannt habe. Kein Wunder, daß sein Schaffen, wie das Schaffen Nadelmanns, an vergangene große Traditionen anknüpfte. Trotzdem waren Form und Farbe ganz von seiner Persönlichkeit durchdrungen, was zusammen mit der Sehnsucht, welche aus seinen Bildern spricht, das Gefühl einer wahren, künstlerischen Frömmigkeit erweckt. Er starb kaum 42 Jahre alt. Das Schaffen Mella M u l e r s ist nicht auf ein enges Kunstgebiet eingeschränkt. Porträts, Landschaften, Stilleben und gelegentlich auch Kompositionen sind Kunstarten, welche sie beschäftigen. Auf jedem dieser Gebiete konnte sie ihre Meisterschaft zeigen, und sie genießt darum mit Recht in Paris den Ruf einer besonders wertvollen Künstlerin. Kramsztyks Malerei neigt mehr einer naturalistischen Richtung zu, er ist aber durchdrungen von dem Bestreben, der

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