Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Von Kunst und Künstlern
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 405 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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VON KUNST UND KÜNSTLERN 405 Frühzeitig ließ er sich in Rom nieder, wo er gegenwärtig noch wirkt. Sein Porträt der Tochter d'Annunzios und die Büste Samuel Hirszenbergs (seines Schwagers) gehören wohl zu dem besten, was unsere Zeit auf diesem Gebiete der Kunst hervorbrachte. Schon zu Lebzeilen Hirszenbergs begannen viele jüdische Maler, zum Teil von ihm angeregt, Szenen aus dem Leben der Chassidim zu malen, allerdings mit ungleichem Erfolge. Die Darstellung jüdischer Themen erlangle mit der Zeit eine geradezu erschreckende Verbreitung. Man muß sagen, daß es nicht Erlogeneres, nichts Kitschigeres gibt, als die Darstellungen sauber gepuderter und geschminkter Juden in immer spiegelneuem Slreimel und Pekesche. Leider fand gerade diese Art der Darstellung beim Publikum das größte Wohlwollen. Wenn man an das wunderbare Bild Jozef Israels ,-Der Sohn des alten Volkes" sich erinnert, muß man staunen, daß derartige Geschmacksverirrungen Verbreitung finden konnten. Einen zum Teil auch künstlerischen Erfolg als Maler jüdischer Themen erlangten hingegen: Trembaez, Pilichowski, Markowicz, Minkowski und Wachtel. In der Wirkung eines Bildes wird nur das Wesentliche — die Malerei — entscheidend sein, das Thema kann dem Bilde zwar Popularität verschaffen, bleibt aber für seinen Wert als Kunstwerk ohne Bedeutung. Leider ist dieses Mißverslehen der Kunst in ihrem Wesen eine traurige Zeiterscheinung, an der die gegenwärtige Erziehung nicht ohne Schuld ist, da sie der Kunst vollkommen gleichgültig gegenübersteht. Anderseits wurde die berufliche Betätigung unserer Zeilgenossen durch die Vormacht der Industrialisierung fast vollkommen mechanisiert, wodurch die Allgemeinheit jedem Form- und Farbenempfmden entrissen wurde. * Nun drang die Kunde von den Triumphen der Impressionisten, eines Cezannc, van Gogh und Gauguin nach Polen, wo eine momentane Abschwächung der Schaf- Hennjk Glicenstein / Knabe i'enskraft eingetreten war. Und nun ging eine große Zahl der dortigen Künstler ins Ausland, zum größten Teile nach Paris, der Metropole unserer Gegenwartskunst, wo der schwerste Kampf ihrer wartete. Noch stand der Impressionismus triumphierend an der Spitze, aber Zuckungen und Erschütterungen deuteten auf sein baldiges, erbloses Ende hin. Seiner programmatischen Definition des Kunstwerkes: „Natur, gesehen durch eine Individualität", stand bereits die Definition Cezannes gegenüber, ,,Natur, gesetzmäßig geformt durch das Temperament". Es war die Zeit des Individualismus in seiner ausgeprägtesten Frivolität, wo ununterbrochen neue Künstlerindividuell auftauchten, „Jeder ein Programm", um ebenso schnell von der Oberfläche zu verschwinden. So war dieses