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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. Seite 407

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Von Kunst und Künstlern
Date
1927-06-01
Page
Seite 407 (sequence 5)
Language
German
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VON KUNST UND KÜNSTLERN 407 Farbe eine gewisse Saftigkeit zu geben, um somit aus ihr einen an sieh absoluten Wert herauszuholen, welcher dem Bilde seine Bedeutung als Kunstwerk verleiht. Moise Riesling lebt seit ungefähr 15 Jahren in Paris, wo es ihm gelang, durch Talent und uneingeschränkte Hingebung an seinen Beruf, eine sehr ehrende Stelle in den vordersten Reihen der dort wirkenden Künstler einzunehmen. Auffallend ist, daß von Kiesling gemalle Kinder französischer Proletarier viel von der Melancholie jüdischer Kinder zu besitzen scheinen. Ein großes Stillleben, Fische darstellend, machte auf mich den größten Eindruck. Als wesentlich für Kieslings Malerei wäre die ungemein kultivierte Verwendung von Schwarz und von Lasuren zu betonen, mit welchen Mitteln es ihm gelingt, die bezauberndsten Wirkungen zu erreichen. Zu gleicher Zeit mit Kiesling kam Simon M o n d z a i n nach Paris, wo eisernen ständigen Wohnsitz hat. Alles, was er malt, ist so einfach, atmet eine so grenzenlose Liebe des Künstlers zu seinem Werk, daß man von seinen Bildern ergriffen wird und sie ins Herz schließen muß. Großen Eindruck machten besonders seine tunesischen Landschaften, die zeigen, daß Mondzains Schaffen sich in aufsteigender Kurve bewegt. Menkes ist erst seit Kriegsende in Paris, aber diese verhältnismäßig kurze Zeit genügte, um seine große Begabung dermaßen zu entwickeln, daß er als klar abgerundete Künsllei'persönlichkeit dasteht. Er verfügt über eine sehr große technische Leichtigkeit und außerordentliches Farbenempfinden. Unverkennbar an ihm ist eine Neigung zum Dekorativen, allerdings im besten Sinne. S e i f e r t ist von den hier besprochenen der jüngste. Seine zart empfindende Seele ist unaufhaltsam bemüht, die malerische Materie in ihren Tiefen zu ergründen und seine bisherigen Leistungen lassen die großen Hoffnungen für seine weitere Entwicklung als vollkommen berechtigt erscheinen1). [) Monographien und Abbildungen von Werken u.zw.: GeorgMerkel (Heft 11, IV. 'Jlier.), Eugen Zak Diese Zeilen sind als Widmung an diese Künstler, meine Zeit-, Berufs- und Leidensgenossen, gedacht. Es muß die traurige Tatsache auffallen, daß im gegenwärtigen freien Polen für die jüdischen Künstler kein Platz mehr ist. Wie traurig ist das und wie beschämend . . . Ist auch der Weg des Künstlers von heute im allgemeinen ein unsagbar leidvoller, so ist dieser Weg, mit dem Judesein behaftet, ewig ein Weg des Martyriums, und darum darf ich es nicht versäumen, zum Schlüsse noch einige Worte über die Bedeutung der Kunst im allgemeinen und ihre spezielle Bedeutung für das jüdische Volk zu sagen. Die Kunst scheint vielen ein Luxus zu sein, den man im Alllag entbehren kann. Das mag dem tatsächlichen Zustande auch vollkommen entsprechen. Es gibt leider Menschen, für die ihr ganzes Leben ein Alllag ist, es sind dies die Ärmsten der Armen, welche lief unter ihr Menschentum gesunken sind. Sklaven ihres Alltags, können sie sich nicht zu ihrem Sabbat emporringen, sich auf ihre Seele besinnen. Kunst allein ist seelisches Produkt, alles andere ist Produkt des Intellektes, und darum müßte eine kunstlose Gesellschaft einen intellektuellen Mechanismus ergeben; Menschheit wäre dies nicht mehr. Werke der Kunst sind der Ausdruck menschlicher Leiden und menschlicher Sehnsucht, darum muß ein Volk, das leben will, vor allem sein seelisches Menschentum hochhalten! Wer sich im Königreiche des Geistes ein Plätzchen erobern kann, dem wird ein Platz auf Erden nicht versagt sein. * Nachwort der Redaktion : Aus dem Künstlerkreis, der sich um die Warschauer ,,Jüdische Kunstgesellschaft" schart, sind hier zu nennen : Beiiewi, Weintraub, Eljowicz, Herrschaft, der Bildhauer Ostrzeya, von älteren Malern Weinlos in Warschau, Maurycij Trcmbacz in Lodz, der Miniaturist Arthur Schick, sowie die Bildhauer Marek Swarz und Gabowicz. Au/' die Arbeiten dieser Künstler werden wir in diesem Blatte noch zurückkommen. er hier genannten Maler erschienen in der„Menorah", (Hefts,IV.3hg.), SimonMondzain (Heft l, V. Jhrjr.).

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