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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. Seite 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Kinderhochzeit
Date
1927-06-01
Page
Seite 386 (sequence 3)
Language
German
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386 MENORAH Vaters Kappe in den Cheder und erzählte meinen Kollegen, daß der Vater mich zur Chupe mitnehmen wollte, daß ich aber nicht gehen konnte, da ich keinen Hut hatte. Heute aber werde ich einen Hut bekommen und zur Chupe gehen. Da sagte Bainusch, das Söhnchen des Spenglers: „Ich bin schon gestern bei der Chupe gewesen. Unter der Chupe bin ich mit Dwoire, dem kleinen Mädchen des Tischlers Baruch, gestanden; man hat mir einen Ring gegeben und den habe ich Dwoire auf dem Finger angezogen; und mein Vater hat mit mir einen Segensspruch gesagt und dann hat man getanzt und Lebkuchen gegessen und Semmel mit Hering und das war sehr fein/' Als ich aus dem Cheder kam, zog mir die Mutter sofort den neuen Hut an. Ich fragte die Mutter: „Wann werde ich schon zur Chupe gehen?" Die Mutter antwortete: „Schlaf nur nicht ein, wie gestern, du warst ja nicht zu erwecken." Darauf ich: „Heute werde ich bestimmt nicht vor der Chupe schlafen." Doch um neun Uhr abends schlief ich wieder ein und man hatte Mühe, mich aufzuwecken. Ich ging mit Vater und Mutter zur Chupe. Als wir ins Zimmer der künftigen Schwiegereltern traten, sah ich dort Süssel, ein kleines Mädchen, mit der ich mich vor acht Tagen, am Sabbat, im Hause ihres Onkels geprügelt hatte. Seither war ich mit ihr böse. Dann wurde die Chupe aufgestellt. Man führte mich unter den Trauhimmel und nach einer Weile wurde auch Süssel hingeführt und neben mich hingestellt. Ich lief stracks fort und sagte: „Ich will nicht mit Süssel unter der Chupe stehen, ich bin mit ihr bös!" Die Mutter entgegnete: „Aber Eisikl, das ist doch deine Braut!" Darauf ich: „Ich will Süssel nicht zur Braut, gib mir eine andere Braut!" Und ich wollte um keinen Preis mit Süssel unter der Chupe stehen. Da legte sich der Vater ins Mittel und begann in seiner Art zornig auf mich einzureden, doch ich wollte auf keinen Fall mittun. Da sagte der Vater: „Ich lasse den Riemen von daheim holen und werde dich ordentlich ledern, wenn du nicht unter der Chupe stehen willst! Gebt mir doch ein paar Ruten, damit ich dem Herrn Bräutigam zeige, w7as sich gehört." Nun begann Süssel: „Fein, fein, das ist dafür, weil er mich neulich bei den Haaren gerissen hat; und ich werde mit ihm nicht unter der Chupe stehen." Nun begann das gleiche Spiel mit der Braut! Erst redete ihr ihre Mutter zu, dann drohte ihr ihr Vater mit dem Riemen. So verging ein gutes Stück Zeit, und die „Brautleute" wollten sich um keinen Preis unter die Chupe stellen. Die Gäste wollten schon fortgehen. Da brachte man einen Besen und zog daraus einige Ruten. Süssel und ich begannen zu weinen und stellten uns tränenden Auges unter die Chupe. Nun sollte ich im Verlauf der Zeremonie Süssels Finger fassen und

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