Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Kinderhochzeit
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 385 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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KINDERHOCHZEIT 385 Ich war damals etwa acht Jahre alt. Eines Abends lag ich auf dem Bett und schlief in meinen Kleidern. Da weckte mich die Mutter: „Eisikl, Eisikl, steh auf und geh zur Chupe!" Ich wußte nicht, was das Wort „Ghupe" überhaupt bedeutete, und wollte nicht aufstehen. Da rief die Mutter den Vater, daß er mich wecke, und er schrie, wie es eben ein Vater tut: ,,Steh auf, Eisik, du wirst zur Ghupe gehen." Ich sagte: „Ich will nirgends hingehen, ich will schlafen." Darauf der Vater: „Aufstehen, sage ich!" Darauf ich: „Ich will nicht." Der Vater riß mich zornig empor: „Steh auf!" Ich begann zu weinen, da nahm der Vater den Riemen und zog mir ein paar über. Das machte mich natürlich wach und ich stand auf mit verweinten und verschlafenen Augen. Ich fragte: „Wohin soll ich gehen?" Der Vater antwortete: „Zur Ghupe," „Was ist das, Chupe?" fragte ich. Darauf der Vater: „Wir werden zum Schwiegervater gehen, dort wird die Ghupe sein." Ich verstand noch immer nicht, was der Vater meinte; die Worte „Schwiegervater" und „Chupe" waren mir ganz unverständlich, und so sagte ich noch einmal: „Ich will nicht gehen." Doch der Vater nahm wieder den Riemen zur Hand und ich beschloß, lieber zu schweigen. Die Mutter wusch mich sorgfältig, zog mir den kleinen Kaftan an, knöpfte mir die Hose zu und hieß mich den Hut aufsetzen. Doch mein Hut war nicht da, denn ich hatte ihn irgendwo beim Spiel verloren, ehe ich noch schlafen gegangen war. Da begann die Episode mit dem Hut; der Vater sagte: „Wenn du nicht jetzt zur Chupe gehen würdest, so würde ich dich für den verlorenen Hut ordentlich durchprügeln." Indessen kamen schon Boten von den Schwägersleuten, die fragten, warum wir noch nicht dort seien. Jetzt begann ein allgemeines Suchen nach dem Hut, doch er fand sich nicht. Die Verlegenheit war groß. Was tun? Inzwischen war es Mitternacht geworden. Vater und Mutter hatten Angst, der Brautvater würde sich die Sache inzwischen überlegen, und ihre Laune wurde immer schlechter. Man überlegte: Wen sollte man aufwecken, um bei ihm einen Knabenhut bis zum nächsten Morgen zu leihen? Doch aus dem Nachdenken kam nichts heraus und es wurde sehr spät. Auf alle Fälle standen die Dinge sehr schlecht, denn es war kein Hut da. Vater und Mutter waren außer sich vor Ärger, doch es half nichts, ohne Hut kann man nicht zur Hochzeit gehen. So ging der Vater zum „Mechuten" und bat ihn, die Hochzeit auf den nächsten Tag zu verschieben, da Mutter sich nicht wohl fühle. Der Vater blieb ziemlich lange aus, die Mutter konnte vor Ungeduld nicht stillsitzen. Endlich kam der Vater und sagte, die Hochzeit werde am nächsten Tag um zehn Uhr abends stattfinden. Am nächsten Tag kaufte man mir einen Hut. Morgens ging ich in