Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Das Antlitz der Assimilation
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
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380 MENORAH der jüdisch-nationalen Gesamtinteressen, daß ein gewisser und — es sei schon hier vorweggenommen — ziemlich beträchtlicher Teil des polnischen Judentums vollständig negativ auf alle inneren Lebensfragen des Judentums überhaupt eingestellt ist, daß dieser Teil gar keinen Kontakt mit dem geistigen Leben der Gesamtheit inne hat und daß mit jedem Tage mehr sich das gedankliche und gefühlsmäßige Band zwischen ihm und dieser Gesamtheit loslöst und abbröckelt. Es genügt hier zu erwähnen, daß laut der amtlichen Statistik vom Jahre 1921 in Polen zirka 700.000 Juden (fast ein Viertel) sich der polnischen Nationalität angehörig deklariert hat, darunter 100.000 in Warschau allein2). Nicht auf die politische Seite dieses nationalen Bekenntnisses kommt es in diesem Zusammenhange an, sondern auf ihre innerjüdische Deutung. Selbst angenommen, daß die Hälfte unter diesen „Polen mosaischer Konfession" — dem jüdischen Glauben treu anhänglich sei und an den innerjüdischen Fragen aktiven Anteil nehme, so bleibt es immerhin beunruhigend, daß über 350.000 Juden in Polen, das heißt durchschnittlich 70.000 Familien sich vollständig indifferent zu den geistigen Interessen des Judentums, die religiösen mit inbegriffen, beziehen, daß viele Hunderte unter ihnen3) bereits für das Judentum verloren sind, darunter auch manche geistig bedeutende Individualitäten. Die Erscheinung wirkt um so beunruhigender, als sie schon heute das zukünftige Geschlecht ergriffen hat, die Jugend, welche weder zu Hause, noch in der Schule irgend welche religiöse Erziehung genießt und in vollständiger Unkenntnis des Judentums und seiner Überlieferungen aufwächst. Wohin führt der Weg dieser Jugend? Mir scheint das Problem gerade vom Gesichtspunkte der jüdischnationalen Idee erwägenswert. IV. er nationale Gedanke und seine reinste Kristallisierung im Zionismus ist heute innerhalb des polnischen Judentums so fest verankert, daß die zionistische Partei, ohne ihren Prinzipien irgendwie zu vergeben, eine Brücke der Verständigung schlagen könnte zur Assimilation und ihren Kreisen. Politisch getrennt nach außen, könnten doch Zionisten und Assimilanten nach innen in manchen Fragen zusammenarbeiten, zunächst auf dem Gebiete der religiösen und Erziehungsprobleme, weiterhin auch in Fragen der jüdischen Kultur überhaupt, mit Ausschaltung der politischen Momente. Gerade die moralische Senator lng. Moses Körner hat sich um den Bau des jüd. akademischen Hauses in Warschau verdient gemacht D£