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Menorah · 1927-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1927) · p. Seite 381

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Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1927)
Article
Das Antlitz der Assimilation
Date
1927-06-01
Page
Seite 381 (sequence 5)
Language
German
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DAS ANTLITZ DER ASSIMILATION 381 Kraft, welche dem nationalen Gedanken innewohnt, sollte der nationalen Partei den Impuls einflößen, die Entfremdeten allmählich heranzuziehen und wenn auch nur für eine partielle (religiöse) Interessierung an der Gegenwartskultur zu gewinnen. Es mag paradox klingen, ist aber dennoch wahr: Im Interesse der nationalen Entwicklung des polnischen Judentums liegt gewissermaßen viel mehr eine aktiv, selbst aggressiv auftretende Assimilation als ihre gegenwärtige Apathie. Sie hat nach außen keine Sendung mehr zu erfüllen, ihre Aufgaben sind vom Staate selbst übernommen und seinen viel mächtigeren Kulturfaktoren. Hingegen möge die Assimilation ihre Fahne nach innen aufrollen! Möge sie doch einmal ihr religiöses, charitativsoziales und pädagogisches Credo klar und deutlich formulieren, innerhalb der Konfession, zu welcher sie sich mit schönen Worten so oft bekennt. Was an ihrem Programm gesund und lebensfähig ist, wird sich gewiß behaupten. Möge sie im Namen dieser oder jener Ideale, die sie innerhalb des Judentums vertritt, zum Kampf wieder auftreten. Ein Kampf der Ideen, ritterlich geführt, liegt im Interesse der Gesamtheit, ebenso wie anderseits die gegenwärtige Lethargie unberechenbaren sittlichen Schaden der Entwicklung dieser Gesamtheit bringen kann. Wer aus diesem Kampf siegreich hervorgehen wird, darüber kann es keinen Zweifel geben. Die frühere Assimilation, deren Tendenzen nach außen hin gravitierten, wird der inneren assimilierenden Kraft der nationalen Renaissanceidee erliegen, welche früher oder später mit ihrem Zauber alle Söhne des Volkes erfassen muß, wenn einmal der lebenspendende Strom von Zion her allen zerstreuten Gliedern Israels neuen Lebenssaft zugeführt haben wird. Alsdann wird im Schöße des Judentums das Problem der Assimilation verschwinden, nach außen wie auch nach innen. Aktuell wird dann nur noch bleiben das Problem der Assimilation des vereinigten jüdischen Volkes und seiner geistigen und sittlichen Kultur an das Erlesene der Kultur der Menschheit — und umgekehrt. Senator Rafael Szereszowski Chef des bekannten Bankhauses und Porsitzender des Aufsichtsrates der „Kaufmännischen Zentrale" in Warschau *) Als Ausnahme könnte man vielleicht den Warschauer Prediger Dr. Isak Cylkow (gest. 1910) nennen, dessen polnische Bibelübersetzung allenfalls ein dauerndes Monument bildet. Einen tieferen, dauernden Einfluß hat aber auch er nicht ausgeübt. a) Vgl. Kr eppel, Juden und Judentum von heute (1925) S. 315—322 und die entsprechenden Tabellen dort. 8) Statistisch genau läßt sich die Taufbevregung der letzten Jahre nicht bestimmen, weil keine Taufregister veröffentlicht sind, ihre Intensität aber im allgemeinen unterliegt keinem Zweifel, namentlich in Warschau.

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