Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Wehrhafte Synagogen in den östlichen Randgebieten der polnischen Republik
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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374 MENORAH wiederholt Jan III. seine Erlaubnis mit der Beifügung, daß „er die Juden nicht hindern werde, die Steine aus seinen Steinbrüchen herauszuholen"; daraus entstand die Legende von der Gründung dieser Synagoge durch den König Sobieski7). Aber noch im Jahre 1692 existiert diese Synagoge nicht, denn erst in diesem Jahre erteilt der Erzbischof von Lemberg, Jan Lipski, den geistlichen Konsens zum Bau der Synagoge, wobei er den Zweck ihrer Wehrhaftigkeit ausdrücklich betont: ,,Damit die Juden während einer Feuergefahr oder eines feindlichen Einfalles einen sicheren Verwahrungsort und Stapelplatz für ihr Vermögen und ihre privaten Ornamente haben8)." Erst jetzt entstand eine prächtige Synagoge mit mächtigen Mauern, gestützt mit noch mächtigeren Escarpen und umgeben mit einer wehrhaften Attika, wie wir sie heute noch sehen. Es bewunderte und malte sie Jan Matejko (siehe Bild 4) und popularisierte auf diese Weise ihr Bild. Die Gebetshalle, gedeckt mit einem auf vier runden und mächtigen Pfeilern gestützten Gewölbe, war einst schön gemalt. Noch in meinen jüngeren Jahren sah ich Spuren der Polychromie, aber die Verwaltung der jüdischen Gemeinde wußte sie nicht zu schonen und ließ sie einige Jahre vor dem Krieg auf rosa mit hellen Blumengewinden übermalen nach dem Muster eines Sommertheaters oder einer modernen Weinhalle. Verschieden von ihren Schwestersynagogen in Luck, Brody, Tarnopol, Zolkiew usw. ist die Synagoge in Husiatyn (siehe Bild 7). Sie entstand wahrscheinlich in den Zeiten der Türkenherrschaft in Podolien 1672 bis 1699, denn sie verrät viele orientalische Merkmale, die wir in anderen Synagogen in Polen nicht antreffen. Ob sie tatsächlich auf Kirchengrund entstanden ist, wie Bischof Sierakowski versicherte, ist schwer zu entscheiden. Wahr ist — und dies kann jeder bestätigen -— daß sie nicht aus der „Schenke eines Gutshofes4' umgebaut wurde, sondern unmittelbar als prächtige befestigte Synagoge aufgestellt. Aber auf die historische Wahrheit kommt es hier weniger an, denn nicht um sie kümmerte sich der Bischof von Kamieniec. Als er nach Husiatyn kam, machte er den Juden einen Prozeß, bestimmte Delegierte und ließ nach Anhören ihres Berichtes die Synagoge versiegeln, die steinerne Mauer um den jüdischen Friedhof auseinandernehmen und legte der jüdischen Gemeinde eine Strafe von 1000 Dukaten auf. Es nahm sich „seiner Juden" der Herr des Städtchens, der Wojwode von Podolien, Michael Potozki, an, befahl die Synagoge sofort zu entsiegeln und gestattete den Juden nicht, die Strafe zu zahlen. Aus diesem Grunde kam es zu einem Briefwechsel zwischen Potozki und Sierakowski9), der bis zum Lubliner Tribunal gelangte (1741). Potozki verlor den Prozeß, aber die Juden blieben bei ihrer Synagoge, da Sierakowski den Bischofsitz einer anderen Stadt übernahm, wo er sich den Juden fühlbar genug machte10). VV ehrhafte Synagogen erforderten viele Leute zur Verteidigung, und diese Leute mußten die Juden selbst stellen. Schon im Dekret Zygmunts III. in Angelegenheit der Lucker Synagoge lesen wir, „daß