Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Die parlamentarische Politik
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 366 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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366 MENORAH nalität nach, sondern als Polen jüdischer Konfession und wurden in den Sejm, beziehungsweise Senat, nicht mit den Stimmen der Juden, sondern mit den der Polen gewählt, weshalb sie keinerlei Ansprüche auf die Vertretung der Interessen der jüdischen Bevölkerung erheben. Die 34 Abgeordneten und 12 Senatoren, die den jüdischen Klub bilden, gehören verschiedenen politischen Gruppierungen an. Die Mehrheit, u. zw. 32, sind Zionisten verschiedener Schattierungen. 6 Abgeordnete und 3 Senatoren gehören der orthodoxen Fraktion an; 1 Abgeordneter und 2 Senatoren vertreten den Verband der Kaufleute, 2 Abgeordnete sind parteilos. Alle die Abgeordneten und Senatoren verbindet der Standpunkt einer besonderen jüdischen Nationalität, der als Koliektivum volle Gleichberechtigung und das Recht zur Entfaltung der nationalen Kultur gebührt, unter Wahrung einer entsprechenden Inanspruchnahme des allgemeinen Staatsbudgets für diesen Zweck. Im ersten, verfassunggebenden Sejm bestand die jüdische Repräsentanz nur aus 11 Abgeordneten (7 Zionisten verschiedener Schattierungen, 2 Volksparteiler, 2 Orthodoxen). Die Wahlordnung zum jetzigen Sejm wurde so hergestellt, damit auch diese bescheidene Repräsentanz der jüdischen Bevölkerung vermindert werde. Um dieser Gefahr zu entgehen, haben sich die Juden mit den anderen nationalen Minderheiten (Ukrainer, Weißrussen und Deutschen) in einem Block vereinigt, welcher eine gemeinsame Liste (16) aufgestellt hat, von der in den Sejm zirka 100 Abgeordnete und in den Senat zirka 20 Vertreter gewählt wurden. Die Juden erhielten von dieser Liste 25 Mandate; außerdem wurden auf eine selbständige Liste in West-Kleinpolen 2 jüdische Abgeordnete und auf eine in Ost-Kleinpolen 14 Abgeordnete und 4 Senatoren gewählt. Auf diese letztere Liste wurde darum eine so unerwartet große Zahl von jüdischen Vertretern gewählt, weil die Ukrainer in Ost-Kleinpolen die Wahlen boykottiert hatten, weshalb ihre Mandate den Polen und Juden zufielen. Allein die Tatsache, daß sich die Juden mit den anderen nationalen Minderheiten in einem Block vereinigt hatten, brachte es mit sich, daß die Juden in erster Linie sich untereinander zusammenschließen mußten. Und tatsächlich haben den Wahlkampf Zionisten verschiedener Schattierungen, Orthodoxe, Kaufleute und Parteilose gemeinsam geführt. Gesondert gingen nur die Volksparteiler (Jüdische Demokratische Partei), die ein Mandat, die Sozialisten (Bund und linke Poale-Zion), die kein Mandat erhielten und die Zeirei-Zion. Während der Block der Juden mit den anderen nationalen Minder* heiten im Prinzip nur technischer Natur war — es wurde lediglich an ein gemeinsames Vorgehen im Falle einer die allgemeinen Interessen aller nationalen Minderheiten gefährdenden Politik seitens der Regierung gedacht — so war der innerjüdische Block auf festeren Grundlagen aufgebaut. Wie ich bereits erwähnt habe, verbindet alle Gruppen, die den jüdischen Klub bilden, das gemeinsame Bewußtsein ihrer besonderen nationalen Eigenart und der Wille zur Erreichung der vollen Gleichberechtigung für das jüdische Volk, als politische Einheit in Polen, ferner die gemeinsame Forderung nach dem Recht zur freien Ent-