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Menorah · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · p. Seite 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Article
Der Judenbaum
Date
1927-05-01
Page
Seite 307 (sequence 4)
Language
German
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DER JUDENBAUM 307 „Heute wird wieder eine Nacht zum Judenpeitschen!" sagte der Hausierer, anspielend auf die unwirtlichen Sturmnächte, in denen Bauernrotten von Haus zu Haus zogen, um etwa beherbergte Israeliten mit Knüppeln und Peitschen auszutreiben. Und in der Tat, das Gewitter ließ nicht lange auf sich warten. Während unten die Ungeheuer schnobernd den Baum belagerten, auf welchem sie gute Beute wußten, kamen die Habichte geflattert, die den Baum gespensterhaft umkreisten, und brauste der Sturm heran. Man hörte ihn zuerst rauschen drüben in den Waldungen, dann sah man ihn beim Schein der Blitze Staub und Sand aufwirbeln über die Heide her, und jetzt — jetzt war er da. Mit Macht faßte er den einzelstehenden Kieferbaum und rüttelte, daß die Äste ächzten und auch die Menschen, die daran hingen. „Klaue dich fest, mit Händen und Füßen!" rief der Jude dem Bauern zu und langte mit der Hand nieder, um den Hanns am Arm festzuhalten. Mit vieler Mühe zog er ihn hinan zu sich, wo das Astwerk dichter und schützender war. Da schoß auch schon der Regen und Hagel nieder in das Gezweige, blendende Blitze zerrissen die Nacht und zeigten auf Augenblicke den wilden Aufruhr. „Und wird er wahr, dein Wunsch,*' sagte der Jude, „daß mich der Donner erschlägt, so bist du bei mir." Die wilde Gewalt der Elemente steigerte sich, der alte Baumstamm bebte in seinem Grund und krachte und wollte brechen. Die beiden Männer sahen die Todesnot, sie kauerten nebeneinander auf schwankenden Ästen und beteten laut — jeder zu seinem Gott. Aber dieser Gott übertönte mit der zornigen Stimme seines Donners die zagenden Gesellen. Und am Fuße des Baumes heulten die Wölfe. Der Regen währte fort, und als beide bis auf die Haut durchnäßt waren, suchte der Jude aus seinem Sack eine Branntweinflasche hervor, trank daraus und wollte sie auch dem Hanns zum Trünke reichen. Diesem klapperten vor Frost und Angst die Zähne, aber er trank nicht. Endlich wurde er ganz still und stak wie halbtot in der Gabel zweier Äste. Als der viel zähere Jude sah, es bedürfe seinerseits nur einen kleinen Ruck, und der Feind läge unten, die Wölfe befriedigten ihren Hunger, würden sich dann verlieren, und er wäre gerettet — als der Jude das alles so erwog, was tat er? Er nahm noch einen scharfen Schluck aus seiner Flasche und — flößte auch dem Hanns Branntwein in den Mund, so daß dieser wieder ein wenig zu Kraft und Mut kam. Hannsens Stellung war eine so gefährliche, daß ihn der Jude immer wieder stützen und halten mußte, sollte er nicht jeden Augenblick in die Tiefe stürzen. Und als die Wetter endlich vertobt hatten, als nur noch der eisige Hauch wehte, die Wölfe unten an dem Stocke des Dorfrichters nagten und sich dabei greulich balgten und bissen — da faßte der Jude den Dorfrichter fest an der Hand und sagte: „Hanns Holler! Du und ich, wir sind Feinde auf den Tod —" „Mach's kurz, Jud\ mach's kurz!4* stöhnte der Dorfrichter, „ich

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